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Mehr als dreihundert Jahre mußten die Frankfurter Juden isoliert von der Mehrheitsgesellschaft in ihrer Judengasse leben, von ihrer Einrichtung 1462 bis zu ihrer praktischen Auflösung 1796 unter dem Einfluß der Französischen Revolution. In dieser Zeit bemühten sich die Frankfurter Juden, die Diskriminierungen und Beschränkungen der Frankfurter Judenordnung allmählich aufzulockern.
Demgegenüber war die christliche Bürgerschaft aus tiefverwurzelter Feindschaft und Verachtung sowie aus Handelsneid bestrebt, die beengten Lebensbedingungen der Juden aufrechtzuerhalten, wenn nicht zu verschärfen.
Der Rat suchte in diesen Auseinandersetzungen auszugleichen, ohne seine eigene von der Bürgerschaft stets angefochtene Position zu gefährden.
Mit Hilfe des Kaiserhofes in Wien, wo die Ideen der Aufklärung zunehmend Gehör fanden, gelang es den Frankfurter Juden, wenigstens auf wirtschaftlichem Gebiet gewisse Freiräume zu erkämpfen.
Zur gleichen Zeit, als die Frankfurter Juden in die Judengasse umsiedeln mussten, wurden aus den meisten anderen süddeutschen Städten die Juden vertrieben. Die Ausgewiesenen ließen sich nun entweder auf dem Land nieder oder zogen in das aufstrebende Königreich Polen.
Frankfurt war eine der wenigen Städte, die ihre Juden nicht vertrieb. Durch Zuzug wuchs seit etwa 1550 die Bevölkerung der Judengasse stark an. Frankfurt wurde so zur größten jüdischen Gemeinde Deutschlands.
Blick in den Ausstellungsteil „Leben im Frankfurter Ghetto”
Das Anwachsen der jüdischen Bevölkerung und ihre zunehmende Betätigung im Handel stieß bei der christlichen Bevölkerung Frankfurts auf erheblichen Unmut, den der durch seinen Hochmut und seine Mißwirtschaft unbeliebte Rat bald nicht mehr dämpfen konnte.
Auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzung mit den Zünften, die eine stärkere Beteiligung an der Stadtregierung forderten, wurde die Judengasse gestürmt und geplündert. Die Frankfurter Juden wurden aus der Stadt vertrieben.
Die Rädelsführer um Vinzenz Fettmilch wurden daraufhin vom Kaiser geächtet und nach dem Scheitern des Aufstands 1616 hingerichtet. Die Frankfurter Juden konnten wieder in die Stadt einziehen.
- Vertreibung von Juden aus einer deutschen Stadt
Aus einer handschriftlichen Haggada, früher Sammlung Sassoon, Jerusalem, um 1470
- Plünderung der Judengasse am 22. August 1614
Kupferstich aus Johann L. Gottfrieds "Historischer Chronica", 1657
- Hinrichtung Vinzenz Fettmilchs und seiner Genossen und Rückführung der Frankfurter Juden am 28. Februar 1616
Holzschnitt aus einem zeitgenössischen Flugblatt von Johann Ludwig Schimmel
Frankfurter Judenordnung (Stättigkeit) von 1616
Nach der Niederschlagung des Aufstands erarbeiteten kaiserliche Kommissare eine neue Judenordnung, die bis 1808 in Kraft blieb.
Sie übernahm fast alle bisherigen Beschränkungen und begrenzte die Zahl der in Frankfurt ansässigen Juden auf den bis dahin erreichten Stand von 500 Familien.
Seit 1452 mußten die Frankfurter Juden auf der Brust einen gelben Ring als Kennzeichen tragen.
Seit Beginn des 18. Jahrhunderts wurde auf das Tragen der Judenzeichen nicht mehr geachtet. Sie wurden 1728 in Frankfurt offiziell abgeschafft.
Frau und Mann tragen die für die Frankfurter Juden um 1700 charakteristische Tracht, die Frau eine Haube mit zwei Spitzen, einen schwarzen Umhang und einen großen runden Kragen, der Mann einen schwarzen Hut, einen kurzen schwarzen Mantel und einen Spitzenkragen.
„Frankfurter Jud und Jüdin”. Kupferstich von Christoph Weigel in Abraham a Santa Claras „Neu-Eröffneter Welt-Galleria”, 1703
Chanukkaleuchter. Meister Johann Valentin Schüler (1650–1720) Frankfurt am Main um 1680; Silber, vergoldet. Aus dem Vermächtnis der Bankiersgattin und Stifterin Franziska Speyer (1844–1909)
Dieser reich geschmückte achtarmige Leuchter für das Lichterfest Chanukka folgt dem Vorbild des in der Bibel (Exodus 25, 31–38) beschriebenen Tempelleuchters. Seine Basis bildet eine von vier wappenhaltenden Löwen getragene rechteckige Platte, die von einer kleinen Galerie umgeben und mit aufgelegten Engelkörpern verziert ist.
Vom Schaft gehen nach beiden Seiten je vier mit Blüten und glockenförmigen Elementen geschmückte Leuchterarme ab. Die acht Ölbehälter sind mit Ölbäumen bekrönt, an den Tüllen hängen Glöckchen; auf den Deckeln befinden sich plastische Tiergestalten, auf beiden Seiten je ein Eichhörnchen, ein Hirsch, ein Adler und ein Pelikan.
Auf dem abnehmbaren Ölkännchen am Mittelschaft reitet eine männliche behelmte und bewaffnete Figur, wohl Judas Makkabäus. Den Abschluß des Mittelschaftes bildet die Figur der Judit mit dem Haupt des Holofernes. Die vier Tiergestalten stellen wahrscheinlich die Hauszeichen von vier Häusern der Judengasse dar. Möglicherweise beziehen sie sich auf die Heirat zwischen Moses Michael Speyer und Scheinle Bing-Kann im Jahre 1681.
Der Bräutigam stammte aus dem Haus „Zum Goldenen Hirsch”, seine Mutter aus dem Haus „Zum Goldenen Adler”. Die Braut stammte aus dem Zweig „Zum Eichhörnchen” der Familie „Zur Goldenen Kanne”, ihre Mutter aus dem Haus „Zum Pelikan”. Die Verbindung dieser vier Familien wäre somit auf diesem Leuchter, vielleicht einem Hochzeitsgeschenk, in Gestalt der Tierfiguren angedeutet.
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