Dieser Ausstellungsteil zeigt die Organisation des inneren Lebens in der Frankfurter Judengasse, die Verfassung der Gemeinde und ihre Einrichtungen.
Im Mittelpunkt steht ein Modell der Judengasse im Maßstab 1:50, wie sie nach dem Wiederaufbau nach dem Großbrand von 1711 aussah. In dieser Zeit wohnten ständig 3000 Menschen in sehr beengten, ungesunden Verhältnissen in der ursprünglich für nur 100 Personen errichteten Judengasse.
Nach dem Brand von 1711 erließ der Rat eine genaue Bauordnung, die Wiederholungen eines solchen Unglücks verhindern sollten. Alle Baupläne mussten zur Genehmigung vorgelegt werden. Viele dieser Baupläne sind erhalten geblieben und ermöglichten so die Herstellung eines maßstabsgetreuen Modells der Judengasse.
Die Frankfurter Juden verwalteten sich bis zur Emanzipation weitgehend selbst. Der Gemeindevorstand vertrat die Gemeindemitglieder vor dem Rat und war für die Zahlung der Abgaben an diesen verantwortlich.
Der Vorstand und die ihm unterstellten Beamten verwalteten die Gelder der Gemeinde, übten die innerjüdische Gerichtsbarkeit aus, sorgten für Ruhe und Ordnung in der Judengasse und überwachten die Gemeindeeinrichtungen. Innerhalb der Gemeinde hatte der Vorstand eine weitgehende Gesetzgebungsbefugnis.
Gemeindevorsteher, Verwalter der Gemeindefinanzen und Gemeindebeamte wurden durch Wahl bestimmt. Tatsächlich lag die Gemeindeverwaltung aber in den Händen der reichsten und angesehensten Familien.
Die Synagoge ist das geistige Zentrum der Gemeinde.
Im 18. Jahrhundert gab es in Frankfurt vier Synagogen: Im nordöstlichen Drittel der Judengasse die Alte Synagoge mit einem Anbau für die Frauen und die daran anschließende Neue Synagoge, im Südosten die Synagoge im Lehrhaus „Klause” sowie die Synagoge im Armenhaus am Friedhof.
Den Gottesdienst in diesen Synagogen gestalteten außer den Gemeindemitgliedern selbst die Vorsänger, die gleichzeitig als Synagogendiener tätig waren.
Der Rabbiner ist das geistige Oberhaupt der Gemeinde. Er war Richter in innerjüdischen Streitigkeiten, oberste Autorität in Ritual- und Zeremonialsachen und Leiter der Talmud-Hochschule. Trauungen und Scheidungen wurden von ihm beaufsichtigt.
Eine gewisse Rolle spielte auch die religiöse Belehrung der Gemeinde durch die Predigt. Die große Frankfurter Gemeinde hatte mehrere Rabbiner unter der Führung eines Oberrabbiners. Das Talmud-Lehrhaus „Klause” leitete der Klausrabbiner.
Besonders im 17. Jahrhundert war Frankfurt ein Zentrum religiöser Gelehrsamkeit und die Heimat vieler bedeutender Rabbiner.
Das Original dieses Bechers für den Weinsegen am Schabbat und an den übrigen Feiertagen wurde 1764 aus dem Nachlass Michael J. Speyers der Frankfurter Synagoge gestiftet. Im November 1938 wurde der Becher zusammen mit den anderen Kunstgegenständen im Museum Jüdischer Altertümer vom Direktor des Historischen Museums vor der Beschlagnahmung durch die Gestapo gerettet. 1951 wurde er von der Jewish Cultural Reconstruction dem Israel Museum in Jerusalem übergeben.
Die Inschrift lautet: „Becher Davids, um Gott mit Lied und Jubel zu danken. Es stiftete [ihn] zu Ehren Gottes der berühmte Vorsteher und Wohltäter, der ehrenwerte Herr Michel, Sohn des Herrn Jossel, Speyer, des Gerechten Andenken gereiche zum Segen, der ihn reinen Herzens stiftete. Er spendete eine bedeutende Summe für einige gute Dinge, und unter dem, was er der Synagoge weihte, war auch dieser Becher, um mit ihm an jedem Feiertag Kiddusch zu machen. Sein Opfer sei ihm ‚zur Erinnerung vor Gott ewig’ [Exodus 28, 29]. Wie er bestimmt hatte, so taten seine Erben und erfüllten sein Vermächtnis, heute, Mittwoch, den 2. Tewet 5525 [25. Dezember 1764, d.h. 30 Tage nach seinem Tod].”
Die Abbildung zeigt die Darstellung des Kampfes Jakobs mit dem Engel (Genesis 32, 25). Auf den anderen Seiten des Bechers sind die Opferung Isaaks (Genesis 22, 9–12) und Jakobs Traum von der Himmelsleiter (Genesis 28, 12) dargestellt.