Diese judenfeindliche Darstellung wurde Mitte des 16. Jahrhunderts als Fresko im Inneren des nördlichen Turms der Alten Brücke angebracht und bis ins 18. Jahrhundert hinein immer wieder erneuert.
Sie verunglimpft die Juden, die die Frankfurter Judentracht Anfang des 18. Jahrhunderts tragen, mit allen erdenklichen Mitteln: Sie essen den Kot und trinken die Milch eines Schweins, das bekanntlich im Judentum als unrein gilt. Betont wird dies dadurch, daß die Sau ihrerseits Kot frisst.
Ermuntert werden die Juden bei ihrem Tun vom Teufel selbst. Dass dieser ebenfalls das Judenkennzeichen trägt und die gleichen Gesichtszüge wie die Juden aufweist, vermittelt die Botschaft, die Juden seien Verwandte des Teufels. Auch der Ziegenbock, den die dargestellte Jüdin bei den Hörnern hält, ist ein satanisches Geschöpf. Die Frankfurter Darstellung verbindet dieses weitverbreitete Schandbild mit der Ritualmordverleumdung.
Johann Jacob Schudt (1664–1722), evangelischer Theologe, Orientalist und Rektor des Frankfurter Gymnasiums, wollte vor allem die Juden zum Christentum bekehren.
Die „Merckwürdigkeiten” sind voller antijüdischer Vorurteile. Den Lügen vom Ritualmord und der Hostienschändung stand Schudt aber skeptisch gegenüber. Seine Schrift überliefert viele wertvolle Einzelheiten aus dem zeitgenössischen jüdischen Leben, besonders in Frankfurt.
Seit altchristlicher Zeit wurde den Juden vorgeworfen, sie hätten aus Bosheit und Verblendung Jesus nicht als den ihnen von den Propheten verheißenen Messias anerkennen wollen und seinen Kreuzestod verschuldet.
Christliche Volksprediger erhoben seit dem Hochmittelalter außerdem neue, noch schlimmere Beschuldigungen. Die Juden ermordeten angeblich Christen, vor allem Kinder, um ihr Blut für ihre Zeremonien zu verwenden.
Kaiser und Papst widerlegten diese Verleumdungen und verboten ihre Verbreitung. Gleichwohl wurden sie immer wieder erneuert und fanden weithin Glauben.
Der angebliche Ritualmord an Simon von Trient, 1475. Holzschnitt von Michael Wolgemut aus Hartmann Schedels „Weltchronik”, 1493
Seit dem 16. Jahrhundert traten neben die traditionellen antijüdischen Beschuldigungen religiöser Herkunft zunehmend solche ökonomischer Art. Den Juden wurden nun ihre wirtschaftlichen Erfolge zum Vorwurf gemacht, die angeblich auf Betrug an Christen beruhten.
Diese Medaille macht jüdische Getreidehändler für Teuerungen verantwortlich. Alle diese Beschuldigungen ließen im Laufe der Jahrhunderte bei der Mehrheitsbevölkerung ein zutiefst negatives Judenbild entstehen, an das die antisemitische Bewegung des 19. Jahrhunderts ebenso anknüpfen konnte wie dann der Nationalsozialismus.
Der Reformator Martin Luther hatte anfangs gehofft, die Juden für seine Lehre gewinnen zu können. Als diese Erwartung enttäuscht wurde, forderte er harte Zwangsmaßnahmen gegen die Juden, die denen der alten Kirche in nichts nachstanden.
Erst seine späteren Nachfolger fanden zu angemessenen Formen der Auseinandersetzung mit dem Judentum. So stellte Johann Christoph Bodenschatz (1717–1797), evangelischer Theologe, Orientalist und Pfarrer in Uttenreuth bei Erlangen, wahrheitsgetreu das religiöse und private Brauchtum der deutschen Juden Mitte des 18. Jahrhunderts dar. Zahlreiche Kupferstiche ergänzen die Beschreibung.
Johann Christoph Georg Bodenschatz: Kirchliche Verfassung der heutigen Juden sonderlich derer in Deutschland ... 4 Teile. Frankfurt, Leipzig, Erlangen 1748/49