Jüdisches Museum Frankfurt am Main

Die Tora

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Dauerausstellungen Jüdisches Museum
Jüdisches Leben – Jüdische Feste
Die Tora

Die Torarolle enthält den Text der fünf Bücher Moses. Dieser Text, der die Geschichte von der Erschaffung der Welt bis zum Einzug der Israeliten in das verheißene Land Kana'an und alle am Sinai offenbarten Gesetze und Gebote verzeichnet, bildet die Lebensgrundlage jeder jüdischen Gemeinschaft.

Jeden Schabbat wird ein Abschnitt vorgelesen, wobei bis zu sieben Gemeindemitglieder aufgerufen werden können. Lesung und Gottesdienst leitet der Chasan, der Vorsänger, der den für den Vortrag notwendigen Sprechgesang beherrscht.

Wegen ihrer Bedeutung ist die Herstellung einer Torarolle strengen Regeln unterworfen: sie muss auf Pergament aus der Haut rituell reiner (koscherer) Tiere in insgesamt 284 Kolumnen handgeschrieben werden. Die Pergamentblätter werden zu einem langen Streifen aneinandergenäht und um zwei Stäbe gerollt.

Der Schreiber muss dafür ausgebildet sein und darf nur bestimmte Tierfedern und eine besonders hergestellte Tinte verwenden. Der Text darf keine Fehler enthalten und nicht verändert werden, auch nicht durch Ornamente, da sie die Lesbarkeit beeinträchtigen und den Originaltext verändern könnten.


Seit dem 2. Jahrhundert ist der Text in 54 Abschnitte unterteilt, so dass jeden Schabbat ein neuer Wochenabschnitt gelesen wird. Anfang und Ende der jährlichen Lesung markiert das Fest der Torafreude (Simchat Tora), das sich im Herbst unmittelbar an das Laubhüttenfest (Sukkot) anschließt.

Das Ausheben der Torarollen in einer Pariser Synagoge. Gemälde von Eduard Brandon, Paris, 1869

Das Ausheben der Torarollen in einer Pariser Synagoge. Gemälde von Eduard Brandon, Paris, 1869


Die pagodenähnlichen sechseckigen Türme bestehen aus vier Etagen von Arkaden mit Balustergeländer und Glöckchenbesatz; als Abschluss dient eine Bügelkrone. Die Aufsätze werden auf die oberen Enden der beiden Stäbe einer Torarolle gesteckt.

Die Stäbe werden als Lebensbäume bezeichnet, da sie die Torarolle halten, deren Text die Lebensgrundlage des Judentums darstellt. Diese Metaphorik wird auf die Aufsätze übertragen, die auch Rimmonim (Granatäpfel) genannt werden, welche als Früchte des Lebensbaums gelten.

Während bei Toraaufsätzen in osteuropäischen und türkischen Gemeinden die Apfel- oder Kugelform häufig vorkommt, dominiert beim westeuropäischen Toraschmuck die Turmform. Sie ist vermutlich von der Form eines königlichen Zepters abgeleitet, um die Würde der Tora zu betonen.

Diese Aufsätze mit Arkadenstellungen sind typisch für den Toraschmuck der Gemeinden in Amsterdam. Ihre Formensprache orientiert sich an zeitgenössischer Amsterdamer Kirchturmarchitektur, wie etwa der Nieuwe Kerk, in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich das Judenviertel bis 1942 befand. Diese Auseinandersetzung mit urbaner, christlicher Architektur zeigt die hohe Akkulturation der Amsterdamer jüdischen Gemeinde.


Toraschild. Frankfurt am Main, 1710–1730, Werkstatt Johann Adam Boller; Silber, vergoldet, Rückplatte Kupfer, vergoldet

Toraschild. Frankfurt am Main, 1710–1730, Werkstatt Johann Adam Boller; Silber, vergoldet, Rückplatte Kupfer, vergoldet


Das Schild mit lebhaft geschweiftem Umriss zeigt die für den Historismus typische Vermischung aus neo-barocken und klassizistischen Formen.

Im zentralen Strahlenkranz ist das Glaubensbekenntnis zum einzigen Gott, das Sch'ma Israel, eingeschrieben. Dabei erscheint im Zentrum selbst der Gottesname.

Die Hand aus den Wolken hält einen Kranz aus Eichen und Palmblättern mit den Gesetzestafeln. In dem heute leeren Medaillon unter der Krone befand sich vermutlich einstmals die Stifterinschrift. Als Behang fungieren drei Glöckchen.

Die eigenwillige Ikonographie zeigt die Suche nach neuen Bildmetaphern im Zeitalter der Assimilation. Das Glaubensbekenntnis erscheint vor der Emanzipation nicht auf Kultgerät.

Bei diesem Toraschild wird damit das Judentum als Konfession analog zur christlichen Religion betont. Die Gesetzestafeln sind ein traditionelles Motiv gerade auf Frankfurter Toraschildern. Hier erscheinen sie jedoch in einem Rahmen, der durch die Verbindung von Eichen- und Palmzweigen die Symbiose von deutschen Bürgern christlicher Konfessionen mit deutschen Bürgern jüdischen Glaubens vermitteln soll.


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Letzte Änderung: 13. Januar 2010





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