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Die Torarolle enthält den Text der fünf Bücher Moses. Dieser Text, der die Geschichte von der Erschaffung der Welt bis zum Einzug der Israeliten in das verheißene Land Kana'an und alle am Sinai offenbarten Gesetze und Gebote verzeichnet, bildet die Lebensgrundlage jeder jüdischen Gemeinschaft.
Jeden Schabbat wird ein Abschnitt vorgelesen, wobei bis zu sieben Gemeindemitglieder aufgerufen werden können. Lesung und Gottesdienst leitet der Chasan, der Vorsänger, der den für den Vortrag notwendigen Sprechgesang beherrscht.
Torarolle
Wegen ihrer Bedeutung ist die Herstellung einer Torarolle strengen Regeln unterworfen: sie muss auf Pergament aus der Haut rituell reiner (koscherer) Tiere in insgesamt 284 Kolumnen handgeschrieben werden. Die Pergamentblätter werden zu einem langen Streifen aneinandergenäht und um zwei Stäbe gerollt.
Der Schreiber muss dafür ausgebildet sein und darf nur bestimmte Tierfedern und eine besonders hergestellte Tinte verwenden. Der Text darf keine Fehler enthalten und nicht verändert werden, auch nicht durch Ornamente, da sie die Lesbarkeit beeinträchtigen und den Originaltext verändern könnten.
Seit dem 2. Jahrhundert ist der Text in 54 Abschnitte unterteilt, so dass jeden Schabbat ein neuer Wochenabschnitt gelesen wird. Anfang und Ende der jährlichen Lesung markiert das Fest der Torafreude (Simchat Tora), das sich im Herbst unmittelbar an das Laubhüttenfest (Sukkot) anschließt.
Eduard Brandon (1831–1897) arbeitete als Maler im Umkreis der Schule von Barbizon und hatte Kontakte zu den Impressionisten, vor allem zu Degas.
Bekannt wurde er als Schöpfer zahlreicher Szenen aus dem traditionellen jüdischen Leben. Als Vorbild diente dabei vor allem die sephardische Gemeinde in Paris. Dieses Gemälde zeigt wohl den Innenraum der sephardischen Synagoge in der Rue de la Victoire. Das Gemälde wurde im Jahre 1869 im Salon in Paris ausgestellt und in der Presse sehr positiv besprochen.
Der Vorbeter im weißen Gebetsmantel hat aus dem Schrein, der durch den geöffneten Vorhang hinter ihm angedeutet wird, eine Torarolle ausgehoben, um sie zum Lesepult zu bringen. Dabei rezitiert er einen Segensspruch aus dem Gebetbuch in seiner Linken.
Vor ihm stehen Gemeindemitglieder, die sich ehrfurchtsvoll der Rolle nähern, darüber ist die Frauenempore schemenhaft erkennbar. Hinter dem Vorbeter folgen weitere Mitglieder, die eine zweite Rolle ausgehoben haben, was auf einen besonderen Festtag schließen lässt.
Lichteinfall und die in goldbraun gehaltene Farbigkeit vermitteln die zeremonielle Feierlichkeit, welche die Lesung der Torarolle umgeben.
Die Zeremonien des Aushebens und Entkleidens einer Torarolle sowie das Emporheben als Abschluss der Lesung, die Einkleidung und das Wiedereinbringen der Torarolle sind die zentralen Kulthandlungen in jeder Synagoge, da sie die Bedeutung der Tora für die jüdische Gemeinde veranschaulichen.
Das Ausheben der Torarollen in einer Pariser Synagoge. Gemälde von Eduard Brandon, Paris, 1869
Toraaufsätze. Amsterdam, 1708; Silber, vergoldet; Leihgabe Jüdische Gemeinde Frankfurt am Main
Die pagodenähnlichen sechseckigen Türme bestehen aus vier Etagen von Arkaden mit Balustergeländer und Glöckchenbesatz; als Abschluss dient eine Bügelkrone. Die Aufsätze werden auf die oberen Enden der beiden Stäbe einer Torarolle gesteckt.
Die Stäbe werden als Lebensbäume bezeichnet, da sie die Torarolle halten, deren Text die Lebensgrundlage des Judentums darstellt. Diese Metaphorik wird auf die Aufsätze übertragen, die auch Rimmonim (Granatäpfel) genannt werden, welche als Früchte des Lebensbaums gelten.
Während bei Toraaufsätzen in osteuropäischen und türkischen Gemeinden die Apfel- oder Kugelform häufig vorkommt, dominiert beim westeuropäischen Toraschmuck die Turmform. Sie ist vermutlich von der Form eines königlichen Zepters abgeleitet, um die Würde der Tora zu betonen.
Diese Aufsätze mit Arkadenstellungen sind typisch für den Toraschmuck der Gemeinden in Amsterdam. Ihre Formensprache orientiert sich an zeitgenössischer Amsterdamer Kirchturmarchitektur, wie etwa der Nieuwe Kerk, in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich das Judenviertel bis 1942 befand. Diese Auseinandersetzung mit urbaner, christlicher Architektur zeigt die hohe Akkulturation der Amsterdamer jüdischen Gemeinde.
Das Toraschild ist eine Laubsägearbeit aus Silber, die auf eine vergoldete Kupferplatte montiert wurde. Vor durchbrochenem Grund stehen die Gesetzestafeln.
Darüber erhebt sich die bekrönte, von zwei Löwen gehaltene Kartusche mit der hebräischen Inschrift: „Heilig dem Herrn”. Unter den Gesetzestafeln befindet sich ein Kästchen, das ursprünglich Metallplaketten mit den Namen derjenigen Feststage enthielt, zu der die einstmals zugehörige Torarolle gelesen werden soll.
Der Umriss dieses Frankfurter Schildes ähnelt einer barocken Hausfassade und ist wohl Nürnberger Toraschildern nachempfunden. Die Laubsägearbeit aus Blüten- und Blattmotiven ist typisch für die Werkstatt von Johann Adam Boller (1679–1732), der zusammen mit der Werkstatt von Johann Valentin und Michael Schüler zahlreiches Kultgerät für die Gemeinde in der Judengasse geschaffen hat.
Toraschilder sind als Ritualobjekte seit dem 15. Jahrhundert belegt und waren besonders in deutschen (aschkenasischen) Gemeinden weit verbreitet. Waren die Gemeinden arm, bildeten Toraschild und Torazeiger oft die einzige Zierde der Torarolle.
Toraschild. Frankfurt am Main, 1710–1730, Werkstatt Johann Adam Boller; Silber, vergoldet, Rückplatte Kupfer, vergoldet
Toraschild um 1875. Werkstatt: Eduard W. Schürmann & Co. (seit 1863); Silber, teilvergoldet, Email und Glasfluss; Stiftung von Bürgermeister a.D. Hans-Jürgen Moog
Das Schild mit lebhaft geschweiftem Umriss zeigt die für den Historismus typische Vermischung aus neo-barocken und klassizistischen Formen.
Im zentralen Strahlenkranz ist das Glaubensbekenntnis zum einzigen Gott, das Sch'ma Israel, eingeschrieben. Dabei erscheint im Zentrum selbst der Gottesname.
Die Hand aus den Wolken hält einen Kranz aus Eichen und Palmblättern mit den Gesetzestafeln. In dem heute leeren Medaillon unter der Krone befand sich vermutlich einstmals die Stifterinschrift. Als Behang fungieren drei Glöckchen.
Die eigenwillige Ikonographie zeigt die Suche nach neuen Bildmetaphern im Zeitalter der Assimilation. Das Glaubensbekenntnis erscheint vor der Emanzipation nicht auf Kultgerät.
Bei diesem Toraschild wird damit das Judentum als Konfession analog zur christlichen Religion betont. Die Gesetzestafeln sind ein traditionelles Motiv gerade auf Frankfurter Toraschildern. Hier erscheinen sie jedoch in einem Rahmen, der durch die Verbindung von Eichen- und Palmzweigen die Symbiose von deutschen Bürgern christlicher Konfessionen mit deutschen Bürgern jüdischen Glaubens vermitteln soll.
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