Dreiteiliges Beschneidungsbesteck. Osteuropa, 19. Jahrhundert; Kännchen: Silbermarke Österreich/Ungarn; Schale: russische Silbermarke; Messer: Klinge Stahl, Griff Horn; Stiftung Ignatz Bubis
Das dreiteilige, ursprünglich nicht zusammengehörige Set stellt die Grundausrüstung eines Beschneiders dar.
Die rituellen Vorschriften fordern ein sehr scharfes, schartenfreies, kleines Messer, mit dem die Vorhaut beschnitten wird. Das abgeschnittene Teil wird dann in die besondere Schale gelegt und mit Sand bedeckt. Das Kännchen enthielt vermutlich Öl oder ein anderes blutstillendes Mittel, mit dem die Wunde versorgt wurde.
Die Beschneidung gehört zu den wichtigsten Riten im Judentum, da sie die Zugehörigkeit des Mannes zur Glaubensgemeinschaft definitiv festlegt.
So wie Gott Abraham befahl, Isaak als Zeichen der Anerkennung des Bundes zu beschneiden, so soll nach biblischer Weisung jeder männliche Israelit dieses bindende Zeichen an sich selbst tragen.
Die Beschneidung findet am achten Tag nach der Geburt statt in Anwesenheit von mindestens zehn männlichen Gemeindemitgliedern. Derjenige, der die Beschneidung vornimmt, der Mohel, ist dafür eigens ausgebildet und muss über seine Tätigkeit Buch führen. Der Akt selbst wird von einer religiösen Zeremonie mit Segenssprüchen und Gebeten umrahmt. Im traditionell-aschkenasischen Judentum findet die Beschneidung in der Synagoge statt, wobei die Frauen an der eigentlichen Zeremonie nicht teilnehmen.
Im 17. und 18. Jahrhundert gab es in deutschen Gemeinden in der Synagoge für die Beschneidung eine besondere doppelsitzige Bank. Der eine Sitz war der Platz des Paten, der das Kind während der Beschneidung hielt, der andere Sitz war für den Propheten Elias reserviert, dessen symbolische Teilnahme durch ein kostbar besticktes Kissen zum Ausdruck gebracht wurde. Auf dieses Kissen wurde das Kind kurz vor dem eigentlichen Akt der Beschneidung gelegt.
Das Kissen besteht aus feinem handgewebtem Leinen und ist mit Blumenranken in verschiedenfarbigen Seidengarnen und Metallfäden im Plattstich ausgestickt. Der gestickte Spruch zitiert Abschnitte der Beschneidungsliturgie und die biblische Weisung, wonach Abraham als Zeichen des Bundes seinen Sohn Isaak beschneiden soll.
Kissenplatte für die Beschneidungsbank. Mittelrhein (?), Ende 17. Jahrhundert, Leinen, bestickt
Die zum Teil sehr verblassten Farben müssen ursprünglich die für den Spätbarock typische, der Türkenmode entlehnte Blütenpracht aus Nelken, Tulpen und Phantasieblumen üppig und strahlend bunt haben wirken lassen.
Torawimpel, Aufhausen / Württemberg. Geschenk der Gemeinde HaBonim, New York City
In deutschsprachigen, aschkenasischen Gemeinden vom Elsass bis Böhmen war es Sitte, aus der Windel, die der Knabe bei der Beschneidung trug, ein langes Band, „die Wimpel”, zu nähen, das mit dem hebräischen Namen und Geburtsdatum des Kindes und einem Segensspruch für das weitere Leben bestickt wurde.
Dieses Band diente dann in der Gemeinde als Wickelband für die Torarollen und gleichzeitig als Nachweis der Gemeindezugehörigkeit. Der vorliegende Wimpel wurde für Josef ben Schneior aus der Landjudengemeinde Aufhausen im Jahr 1823 gefertigt.
Der Spruch „er wachse heran zur Tora, zur Chuppa und zu guten Werken” wird durch eine Torarolle und einen Hochzeitsbaldachin illustriert. Die Torarolle verweist auf die Zeremonie der Barmitzwa, bei der der Junge erstmals zum Lesen der Torarolle aufgerufen wird, der Hochzeitsbaldachin deutet auf die Gründung einer neuen Familie und die „guten Taten” drücken die Aufforderung aus, zum Gemeindeleben durch Wohltätigkeit beizutragen.
Die Buchstaben wurden sorgfältig in einer altertümlichen Quadratschrift vorgezeichnet und dann mit Stielstich in verschiedenfarbigen Seidengarnen nachgestickt. Der Vorzeichner war ein ausgebildeter Schreiber für rituelle Texte, während die Stickerei von weiblichen Familienangehörigen ausgeführt wurde.
Die wichtigste Verpflichtung der verschiedenen Bruderschaften einer jüdischen Gemeinde bestand darin, Geld für wohltätige Zwecke zu sammeln. In jeder Gemeinde gab es deshalb zahlreiche Spendenbüchsen. Manchmal war das Edelmetall der Büchsen selbst Pfand für zu stiftende Geldbeträge.
Die vorliegende Büchse weist eine ungewöhnliche Ikonographie auf, die auf den Verwendungszweck des gesammelten Geldes verweist. Der konisch zulaufende, zylindrische Körper trägt das Relief eines vom Wind bewegten Weizenfeldes, über das sich Regenwolken hinziehen.
Die münzenähnlichen Wolken symbolisieren den Geldregen, mit dessen Hilfe Eretz Israel in fruchtbares Getreideland verwandelt werden sollte. Die Büchse spiegelt damit die zionistische Hoffnung auf ein eigenes Land Israel als neue Heimat.
Zedakabüchse. Meister Leo Horovitz Frankfurt am Main, um 1910; Silber, graviert; Leihgabe I. Bubis
Der Goldschmied Leo Horovitz (1876 Gnesen – 1964 London) war der Sohn des orthodoxen Rabbiners der Frankfurter Börneplatz-Synagoge, Marcus Horovitz, der zunächst dem Zionismus ablehnend gegenüberstand, ihn dann aber intensiv unterstütze.
Die väterliche Hinwendung zum Zionismus scheint der Anlass für den Sohn gewesen zu sein, für traditionelles Kultgerät eine neue, zeitgemäße Ikonographie zu schaffen.
Frauenhaube (Kupke). Polen, 19. Jahrhundert, Brokat, mit Goldspitze besetzt
Das traditionelle Judentum kennt – wie das Christentum auch – die Sitte, dass die Frau nach der Hochzeit ihre Haare zu verbergen hat. Daraus entwickelte sich die Zeremonie des Haareabschneidens bei der Braut, der dann vor der Trauung feierlich eine Perücke aufgesetzt wurde.
Die Perücke, der „Scheitel”, war besonders in jüdischen Gemeinden Mittel- und Osteuropas Kennzeichen der verheirateten Frau, während in Westeuropa die unter dem Kinn gebundene Spitzenhaube üblich war.
In Polen hatte die Perücke die Form einer Scheitelhaube aus gefältelter schwarzer Seide oder schwarzem Samt. Seltener bestand sie aus den bei der Hochzeit abgeschnittenen und rearrangierten Haaren.
Diese Perücke wurde zu Schabbat und Festtagen durch weiteren Kopfputz in Form einer knappen Haube aus kostbarem Material ergänzt, die auf dem Vorderhaupt saß und die Stirn einrahmte. Typisch für solche Hauben war der Spitzenbesatz, der dann besonders aufwendig ausfiel, wenn er aus sogenanntem „Spanierwerk”, d.h. aus Goldspitze bestand.
Auch für Männer gilt das Gebot, das Haupt in der Synagoge und beim Gebet zu bedecken. Sehr fromme Juden tragen sogar den ganzen Tag eine Kappe, Kippa genannt.
Bis zur Emanzipation war es bei aschkenasischen Juden Sitte, außerhalb des Hauses ein Barett zu tragen. Zu Hause begnügte man sich mit der Kippa.
Zu Festtagen wie z.B. zu Pessach wurden kostbar gestickte Mützen getragen. Ihre Form ist christlichen Hausmützen entlehnt, die im 18. Jahrhundert für Männer einen Perückenersatz darstellten.
Festtagsmütze für Männer. Frankfurt am Main, 18. Jahrhundert; Seidensamt, goldgestickt
Anstelle des einfachen Seiden- oder Baumwollstoffes und schlichter Buntstickerei der christlichen Mützen wurde für Mützen jüdischer Auftraggeber oft Samt und Gold- oder Silberfaden verwendet, entsprechend der feierlichen Gelegenheit, zu der die Mützen getragen wurden.
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