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Für den Fortbestand des Judentums ist das Lesen der Tora in der Synagoge am Schabbat ebenso wichtig wie die Feier des Schabbat zuhause. Die Aufnahme des Ruhegebotes am Schabbat unter die zehn Gebote verdeutlicht die besondere Bedeutung dieses Tages. Begründet wird die absolute Arbeitsruhe an diesem Tag mit Gottes Ruhe am siebten Tag nach der Weltschöpfung und als Sinnbild der Freiheit des Volkes Israel nach dem Sklavendasein in Ägypten.
Blick in den Raum „Der Schabbat”
Die Feier des Schabbat beginnt am Freitagabend mit dem Kiddusch, dem Segen über Wein und Brot, und endet mit der Hawdala, der Trennung zwischen dem Schabbat und den Wochentagen am Samstagabend.
Das strenge Arbeitsverbot erfordert eine gründliche Vorbereitung am Vortag, und in traditionellen Haushalten wird die Wochenarbeit auf diesen Tag hin organisiert.
Die Planung der drei Mahlzeiten, die wegen des Arbeitsverbotes nicht am Schabbat gekocht werden dürfen, ist die Aufgabe der Hausfrau. Beim Zubereiten der Mahlzeiten sind die Regeln der Kaschrut zu beachten, die unter anderem eine strikte Trennung von milchigen und fleischigen Speisen erfordert, weshalb in frommen Haushalten doppelte und speziell gekennzeichnete Geschirrsätze üblich sind.
Als besondere religiöse Pflicht obliegt der Hausfrau außerdem die Zeremonie des Lichterzündens zu Beginn von Schabbat. Dafür gab es in aschkenasischen Haushalten bis ins 19. Jahrhundert sternförmige Lampen aus Messing, die an einer Säge zu Schabbat heruntergelassen wurden.
Kiddusch ist die Zeremonie des Weinsegens, der bei nahezu allen jüdischen Festtagen zu Anfang und Abschluss gesprochen wird. Außerdem ist Kiddusch Bestandteil der Beschneidung und der Hochzeit.
Der Weinsegen symbolisiert die Weihe der Zeremonie oder des Festtages und gehört deshalb zu den wichtigsten rituellen Handlungen im Judentum. In jedem jüdischen Haushalt gab es mindestens einen Kidduschbecher, der sich entweder durch seine Form und sein Material als besonderes Festtagsgerät auswies oder durch eine Inschrift, die seine Verwendung festlegte.
Der abgebildete Becher hat lediglich ein hebräisches Besitzerzeichen auf der Fußunterseite, aber sein kostbares Material und die aufwendige Pokalform weisen ihn als Kultgerät aus. In der Mitte des 18. Jahrhunderts war er der typische Kidduschbecher für die Frankfurter Judengasse.
Kidduschbecher. Meister Röttger Herfurth, Frankfurt am Main, um 1760, Silber, vergoldet
Hahn als Besamimbehälter. Polen, 19. Jahrhundert; Silber, getrieben; Stiftung Ignatz Bubis
Der Schabbat wird am Samstagabend durch eine Zeremonie beendet, die symbolisch seine Trennung (Hawdala) von der neuen Woche vollzieht.
Nach dem Weinsegen und dem Entzünden und wieder Löschen einer geflochtenen Kerze wird ein Behälter mit wohlriechenden Gewürzen oder Duftstoffen herumgereicht, die Ruhe und Frieden des Schabbat in der Form des Wohlgeruchs in Erinnerung rufen sollen.
Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich diese Behälter, in denen die wohlriechenden Gewürze zu Schabbatende herumgereicht wurden, je nach Gegend und Reichtum der Besitzer zu großer Formenvielfalt.
Während traditionell orientierte Gemeinden in Westeuropa schon seit dem Mittelalter die Turmform verwendeten, wurden in manchen orthodoxen, osteuropäischen Gemeinden neue, durch die Volkskunst beeinflusste Behälterformen entwickelt.
Der Hahn, der in vielen ostjüdischen Erzählungen vorkommt, ist dafür ebenso ein Beispiel wie der Fisch, der als volkstümliches jüdisches Glückssymbol gilt.
Der hexagonale Besamimturm mit geschwungener Helmspitze sitzt auf hohem facettierten Fuß mit Knauf.
Der Turm besteht aus Silberfiligran, der Fuß ist mit vergoldeten Silberplatten verstärkt. In den sechs Arkaden des Turmes stehen kleine Figuren mit einer Bemalung aus Kaltemail. Fünf davon tragen die für die deutschen und osteuropäischen Juden typische Tracht mit breitem schwarzen Barett und langem Rock. Die sechste Figur ist ein Schwarzer mit Federkrone, Bastrock und Speer. Jedes der fünf Männlein macht entweder eine Bewegung oder hält ein Attribut in der Hand, die sich auf die Hawdalazeremonie beziehen.
Die Sequenz beginnt rechts von dem Schwarzen mit den beiden Figuren, die den Becher für den Weinsegen und das Gebetbuch halten, danach folgen das Männlein, welches das Licht der Hawdalakerze auf seinen Fingernägeln leuchten sieht, und dasjenige mit der geflochtenen Hawdalakerze selbst. Das Männlein mit einem winzigen Besamimturm bildet den Abschluss der Sequenz links neben dem Schwarzen. Dieser verweist auf das biblische Wort „mor”, die hebräische Bezeichnung für Myrrhe. Dieses wohlriechende Gewürz konnte in einem Besamimturm enthalten sein.
Die nur einem Kenner des jüdischen Ritus verständliche Ikonographie und das Fehlen einer Meistermarke könnte auf die Arbeit eines jüdischen Goldschmiedes deuten. Handwerker jüdischer Herkunft waren in Lemberg zugelassen, sofern sie ausschließlich für jüdische Auftraggeber arbeiteten. Von der Zunft ausgeschlossen, durften sie keine Meisterzeichen führen.
Besamimturm. Lemberg (Lviv), um 1806; Silberfiligran, Email; österreichische Feingehaltsmarke, Taxstempel; Stiftung Josef Buchmann
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