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1925 lebten in Frankfurt 30 000 Juden, 6,3 Prozent der Gesamtbevölkerung. Ihre politische Orientierung, ihr kulturelles Interesse, die ausgeübten Tätigkeiten, die religiösen Beziehungen waren so unterschiedlich und individualisiert, dass es nicht möglich ist, verallgemeinernd von Juden in der Zeit der Weimarer Republik zu sprechen.
Weimarer Republik, Vielfalt der Individualitäten
Diese Vielfalt wird in einer Zusammenstellung von Fotos bedeutender wie unbekannter Personen zum Ausdruck gebracht.
Darunter sind: Die Sozialarbeiterin und Frauenrechtlerin Bertha Pappenheim, eine orthodoxe Frau; der deutsch-national gesonnene Arthur von Weinberg; der Maler Jakob Nussbaum; eine Mädchenklasse der orthodoxen Samson-Raphael-Hirsch-Schule; Alwin Kronacher, der das Frankfurter Kulturleben wesentlich prägte, und die Fechterin Helene Meyer, die 1936 für Deutschland an den Olympischen Spielen teilgenommen und eine Goldmedaille errungen hat.
Auf die Erlebnisse des Ersten Weltkriegs und der Revolution 1918, auf den schwierigen Aufbau eines demokratischen deutschen Staates mit mannigfaltigen Beteiligungsmöglichkeiten sowie auf den aggressiver werdenden Antisemitismus reagierten Juden als Juden in unerwartet breiter Vielfalt.
Aus der privaten Integration als angesehene Bürger entstand bei vielen das Bestreben, emanzipativ an der Weiterentwicklung der Gesellschaft teilzunehmen.
Andere begannen, sich ihrer Jüdischkeit wieder zuzuwenden mit einem Bekenntnis zur eigenen jüdischen Nation (Zionismus) oder als Mitglieder des „Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens”, der die jüdische Gleichberechtigung gegen den Antisemitismus verteidigte und gleichzeitig eine säkulare jüdische Volksgemeinschaft oder Schicksalsgemeinschaft vertrat.
Weimarer Republik, Vielfalt der politischen, kulturellen und religiösen Beiträge
Porträtplastik Alfred Flechtheim von Rudolf Belling, Bronze, 1927
Alfred Flechtheim (1878–1937) war Kunsthändler in Berlin, Frankfurt und Düsseldorf. Er emigrierte 1933 zunächst nach Paris, dann nach London, wo er 1937 starb.
Den Künstler Rudolf Belling (1886–1972) zählten die Nazis zu den „Entarteten”. Er emigrierte 1937 nach Istanbul.
Von großer Ausstrahlungskraft, insbesondere auf die Jugend, erwies sich der Kulturzionismus von Martin Buber, Franz Rosenzweig (1886–1929) und Nechemia A. Nobel, die eine Revitalisierung jüdischen Geistes auf der Grundlage alter Quellen und Traditionen in einer modernen Gesellschaft suchten.
In Frankfurt begründeten sie das „Jüdische Lehrhaus”. Rabbiner Nobel, von 1910 bis 1922 konservativer Gemeinderabbiner, zog mit seinen Vorträgen und Predigten alle, besonders aber die Jugend, in seinen Bann.
Nechemia Anton Nobel (1871 Nagymed / Ungarn – 1922 Frankfurt)
Martin Buber (1878 Wien – 1965 Jerusalem)
Martin Buber, Sozialist und Religionsphilosoph, war seit 1922 Dozent am Freien Jüdischen Lehrhaus Frankfurt. Er war außerdem Honorarprofessor an der Universität Frankfurt. Von 1916 bis 1938 wohnte er in Heppenheim an der Bergstraße; 1938 wanderte er nach Palästina aus.
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