Zahlreiche ausgrenzende Gesetze und Verordnungen, begleitet von Gewalttaten, wurden seit 1933 gegen die deutschen Staatsbürger erlassen, die wegen ihres religiösen Bekenntnisses und der durch Hitler festgelegten Rassengesetze Juden waren.
Gleichsam in einen Käfig gesperrt, wurden sie auf sich selber zurückgeworfen. Die krisengeschüttelte und dennoch an Utopien reiche Weimarer Republik erwies sich als Durchgangszeit zum Nationalsozialismus.
Die Machtübergabe an die Nazis und die Mitarbeit der Bevölkerung bei der Durchsetzung der Ausgrenzung und Vertreibung zeigte in Frankfurt kein anderes Bild als in anderen Städten: Sie gingen schnell und ohne namhaften Widerstand vor sich.
Blick in den Ausstellungsraum „Nationalsozialismus, Ausgrenzung und Eingrenzung”
Collage aus Pass, Schild einer Arztpraxis und Tuch mit aufgedruckten Judensternen
Mit dem Zwang, die zusätzlichen Vornamen Sara bzw. Israel zu führen, und mit dem „J” in Kennkarten und Reisepässen ab Ende 1938 wurde die Bewegungsfreiheit der Juden beendet.
Das Arbeitsverbot für Ärzte gehörte zu den Maßnahmen „über die Ausschließung der Juden aus der deutschen Wirtschaft”. Einige Ärzte wurden verpflichtet, ihre Praxis für Juden offen zu halten.
Mit der im September 1941 erlassenen Verpflichtung, im öffentlichen und geschlossenen Bereich den sechseckigen gelben Stern mit der Aufschrift „Jude” zu tragen, waren die Juden öffentlich stigmatisiert und der Willkür preisgegeben.
Die Anlernwerkstatt war eine Einrichtung zur Ausbildung von Jugendlichen in handwerklichen Berufen wie Schreiner und Gärtner, die ihnen die Einwanderung nach Palästina oder in die USA erleichtern konnten.
Die Anlernwerkstatt ist ein Beispiel für die zahlreichen Hilfseinrichtungen, die die jüdische Gemeinschaft schuf. Nach 1933 waren die Juden auf sich selbst gestellt.
Die beginnende Ausgrenzung und Verfolgung traf die meisten unerwartet. Nur einzelne entschlossen sich, aktiven Widerstand zu leisten.
Anlernwerkstatt in der Fischerfeldstraße: Blick in die Schlosserei
Die jüdische Gemeinschaft organisierte Vorbereitungen für die Auswanderung, wie Umschulungen, Sprachunterricht, Beratung und Werbung für die Emigration nach Palästina; soziale und wirtschaftliche Unterstützung, wie Vermittlung von Arbeitsplätzen, Darlehen und Gemeinschaftsküchen, kulturelle Aktivitäten, wie Konzerte, Theater- und Filmveranstaltungen, Vorträge, Ausstellungen.
Weiterhin gab sie Stellungnahmen und öffentliche Erklärungen ab. Alle Vereinigungen und Veranstaltungen standen unter nationalsozialistischer Kontrolle.
Die Gefangenen. Ursula Liebrucks, Bronze, 1988
Im Oktober 1941 begannen die Deportationen. Zwischen 1941 und 1944 wurden mindestens 11 000 Juden aus Frankfurt deportiert. Die genaue Anzahl der ermordeten Frankfurter Juden ließ sich bisher nicht ermitteln, da viele Frankfurter aus anderen deutschen Orten und vor allem auch aus den im Krieg besetzten Ländern wie Holland und Frankreich deportiert wurden.
Außerdem existieren keine Angaben über die in Frankfurt lebenden polnischen Juden, die bereits im Oktober 1938 ausgewiesen und später deportiert wurden.
Die meisten Juden wurden in Arbeitslager deportiert, wo die „Vernichtung durch Arbeit” Programm war. Von dort kamen noch Nachrichten. Die anderen Transporte brachten die Juden zu Orten, wo sie sofort ermordet wurden. Unbekannt ist auch die kleine Zahl der Frankfurter Juden, die die Vernichtung überlebt hat.
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