Die Gestaltung des Ausstellungsraums „Weiterleben nach 1945” ist durch die Lesesäle der Auffanglager für jüdische Überlebende inspiriert, in denen zwischen dem Kriegsende und der Gründung der Bundesrepublik Deutschland an die 250 000 Menschen darauf warteten, Europa verlassen zu können.
Die Vermittlung von Nachrichten über den Verbleib von Familienangehörigen wie über die politische Entwicklung, besonders in Osteuropa und im Nahen Osten, gehörte zu den wichtigsten Versorgungsgütern in der unmittelbaren Nachkriegszeit.
Die überwiegende Mehrzahl dieser Überlebenden floh aus dem neuen sowjetischen Einflussbereich Osteuropas in die Westzonen des Besatzungsgebietes, um von dort aus in die Vereinigten Staaten, nach Palästina und in andere Länder auszuwandern.
Die Lager, von denen sich die meisten in der amerikanischen Besatzungszone befanden, wurden von der UNO versorgt und verwaltet. Die Bewohner nutzten die Zeit des unfreiwilligen Aufenthalts zur Vorbereitung auf ihr Leben in den neuen Heimatländern.
In Frankfurt am Main entstand bereits Ende April 1945 eine städtische Versorgungsstelle für jüdische Überlebende, die mit der Rückkehr des letzten Gemeinderabbiners aus Theresienstadt im Juli desselben Jahres in eine Synagogengemeinde überführt wurde.
Mit dem Zusammenschluss dieser Gemeinde und des Komitees polnischer Juden, in dem sich die osteuropäischen Flüchtlinge in der Stadt organisiert hatten, wurde im Jahre 1949 schließlich jene Jüdische Gemeinde Frankfurt gegründet, die heute noch besteht.
Die Lagerchronik des DP-Lagers Zeilsheim, Faksimiles von Zeitungen in jiddischer Sprache, der erste Jahrgang der Frankfurter Gemeindezeitung und mehrere Alben mit Fotos und Dokumenten geben einen Einblick in die Situation der ersten Nachkriegsjahre.
Der historische Filmausschnitt „Let My People Go” vermittelt Eindrücke von den Bemühungen des Kampfes um einen eigenen jüdischen Staat in Palästina.