Modell der Judengasse und ihrer Umgebung um 1860
Das Modell zeigt die Judengasse und ihre Umgebung um 1860. Zu erkennen sind die Judengasse, der angrenzende jüdische Friedhof und der Judenmarkt am südlichen Ende der Gasse.
Südöstlich schließt sich das Fischerfeldviertel an, das erst seit 1800 in klassizistischem Stil erbaut wurde.
Der Nordteil der Judengasse ist ebenfalls in diesem Stil neu errichtet worden, nachdem er bei der Beschießung Frankfurts durch die französische Armee 1796 zerstört wurde. Da sich viele Familien daraufhin in anderen Teilen der Stadt Unterkünfte suchen mussten, war seit 1796 der Ghettozwang faktisch und seit 1811 auch rechtlich aufgehoben.
Die Judengasse blieb aber auch noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts fast ausschließlich von Juden bewohnt. Allmählich begann jedoch in dieser Zeit der Auszug vieler Familien zuerst vor allem in das benachbarte Fischerfeldviertel.
Zahlreiche jüdische Einrichtungen wie Synagogen, Krankenhäuser, Schulen und Geschäfte enstanden in der östlichen Innenstadt, die bis in die nationalsozialistische Zeit hinein eines der Zentren jüdischen Lebens in Frankfurt blieb. Die Wohnbedingungen in der Judengasse selbst wurden jedoch immer mehr als unzumutbar angesehen, so dass man schließlich zwischen 1874 und 1887 fast alle Häuser abriss und das Gebiet neu bebaute. Nur das Stammhaus der Familie Rothschild blieb erhalten und wurde als Museum genutzt.
Mit dem Abriss der letzten Häuser wurde 1885 die Judengasse in Börnestraße und der Judenmarkt in Börneplatz umbenannt. Hier war bereits drei Jahre zuvor eine der großen Synagogen Frankfurts errichtet worden.
Sie war für den konservativen Teil der Gemeinde bestimmt, der die von der Gemeindemajorität durchgesetzten Reformen in Gottesdienst und Ritus zwar ablehnte, sich aber auch scheute, die alte Einheitsgemeinde zu verlassen und sich der orthodoxen Austrittsgemeinde anzuschließen.
Als erster Rabbiner wurde Marcus Horovitz an die Börneplatz-Synagoge berufen.
Blick auf die Börneplatz-Synagoge, 1912. Das Foto zeigt den Zustand nach der Erweiterung der Synagoge von 1901.
Überreste der Börneplatz-Synagoge
Die Börneplatz-Synagoge wurde am 10. November 1938 ebenso wie alle anderen großen Frankfurter Synagogen zerstört. Die übriggebliebenen Reste wurden auf Kosten der Jüdischen Gemeinde in den Monaten danach abgerissen.
1987–1990 wurden bei den Ausgrabungen am Börneplatz auch die Reste der Synagoge freigelegt. Die wenigen erhaltenen Fragmente werden in einer kleinen Sonderausstellung im Museum Judengasse präsentiert.
Der Börneplatz blieb lange Zeit nach Kriegsende ein ungelöstes Problem der Frankfurter Stadtplanung. Hier wurden eine Blumengroßmarkthalle und eine Tankstelle errichtet, Teile des Platzes dienten als Parkplatz. Nur eine kleine, 1946 aufgestellte Gedenktafel erinnerte an die Zerstörung der Börneplatz-Synagoge.
Erst 1978 wurde die von der nationalsozialistischen Stadtverwaltung 1933 angeordnete Umbenennung des Platzes in Dominikanerplatz rückgängig gemacht.
Seit Ende der siebziger Jahre wurden erste Überlegungen zu einer historisch angemessenen Gestaltung des Platzes angestellt.
1985 beschloss jedoch das Stadtparlament, den Börneplatz mit dem neuen Kundenzentrum der Frankfurter Stadtwerke zu überbauen. Bei den Ausschachtungsarbeiten kamen die Reste der Frankfurter Judengasse zum Vorschein.
Die Auseinandersetzung um ihr weiteres Schicksal eskalierte in der Besetzung des Bauplatzes durch die Befürworter einer vollständigen Erhaltung der archäologischen Überreste.
Die Ergebnisse der 1987/88 am Börneplatz durchgeführten Ausgrabungen bieten neue Einblicke in die Baugeschichte des Ghettos und das alltägliche Leben dort. Die interessantesten Fundstücke, ergänzt durch Konstruktionspläne und historische Illustrationen, dokumentieren die Grabung.
Die in Kooperation mit dem Frankfurter Museum für Vor- und Frühgeschichte – Archäologisches Museum besorgte Ausstellung erläutert die Besiedlung des Platzes seit römischer Zeit, die Entstehung und den Ausbau der Judengasse sowie Bereiche des Alltags wie Wasserversorgung, Vorratshaltung, Kochen und auch Spielen.
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