Bernhard Brilling wuchs als Sohn eines Kantors in Prenzlau (Uckermark) auf und bestand dort 1924 sein Abitur am humanistischen Gymnasium. Der am Gymnasium fakultativ angebotene Hebräisch-Unterricht, den er als einziger Schüler seines Lehrers mit großem Erfolg absolvierte, ist für seine berufliche Laufbahn und für seinen späteren Lebensweg von großem Nutzen gewesen.
Fest verbunden mit dem Judentum und der jüdischen Geschichte zielte sein Berufswunsch auf die Stellung eines Archivars an einem jüdischen Archiv. Da es dafür jedoch keine Ausbildung gab, besuchte er das Rabbinerseminar in Berlin und Breslau und studierte gleichzeitig an der Universität klassische Sprachen, Geschichte und Nationalökonomie. Für seine Leistung auf dem Gebiet der Geschichte bekam der 21-jährige 1927 den Heinrich-Graetz-Preis. Im Jahre 1932 legte er das Rabbinerexamen ab. Das Philologie-Studium mit der Promotion abzuschließen, wurde ihm während der Hitlerdiktatur verwehrt.
So war er als Archivar am jüdischen Gemeindearchiv in Breslau, in dem die Bestände der Provinz Schlesien untergebracht waren, tätig, wie schon als Volontär in den Jahren vorher. Für seine wissenschaftliche Tätigkeit sind die Breslauer Jahre von entscheidender Bedeutung, denn Themen zur jüdischen Geschichte Schlesiens durchziehen sein gesamtes Werk.
Nach dem Novemberpogrom wurde Bernhard Brilling im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert und mit dem Druck zur Auswanderung freigelassen. Im März 1939 emigrierte er mit einem Studentenzertifikat nach Palästina, seine Frau konnte einen Monat später folgen. Da ihm die Mitnahme seiner archivalischen Ausarbeitungen gestattet war, publizierte Bernhard Brilling auch in Palästina Artikel zur deutsch-jüdischen Geschichte, zum großen Teil in hebräisch und englisch, später auch für deutschsprachige Zeitungen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges fand er eine feste Anstellung in Tel Aviv, zuletzt wieder als Archivar.
Eine vom Staat Israel unterstützte Forschungsreise zur Sichtung jüdischer Aktenbestände in deutschen Archiven führte ihn erstmals 1955/56 wieder nach Deutschland. 1957 erfolgte die Rückwanderung nach Münster; als 51jähriger holte er seine Promotion mit dem Dissertationsthema „Die Juden und die Stadt Breslau im 16. und 17. Jahrhundert” nach und wurde an das „Institutum Judaicum Delitzschianum” in Münster berufen, an dem ihm die Abteilung zur Geschichte der Juden in Deutschland übertragen wurde. Für seine wissenschaftlichen Arbeiten zum deutschen Judentum, die in seiner Münsteraner Zeit in besonderem Maße den Raum Westfalen einbezogen, und für seine Beiträge zur „Encyclopaedia Judaica” (1971) wurde er mit dem Professorentitel und dem Leo-Baeck-Preis ausgezeichnet. (Gisela Möllenhoff)