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Es handelt sich bei diesem Nachlass um ein umfangreiches Konvolut von Briefen, Tagebüchern, Familiendokumenten, Orden und Ehrenzeichen einer großen jüdischen Akademikerfamilie, deren gemeinsamer Vorfahre Rabbiner Lewin Aron Pinner (1799–1873) war.
Prof. Dr. Hans Julius Wolff (1902–1983), eine weltweit anerkannte Autorität für Römisches und Griechisches Recht, sah sich, nachdem er seiner Ämter beraubt worden war, 1935 zur Emigration gezwungen. Er ging von Berlin aus zunächst nach Panama, und von dort 1939 nach USA. Er nahm einige große Überseekoffer mit dem oben genannten Nachlass seiner Vorfahren mit in die Emigration. Als er 1952 einen Lehrstuhl für antike Rechtsgeschichte zunächst in Mainz und später in Freiburg erhielt, brachte er den großen Nachlass wieder nach Deutschland zurück. Seiner Tochter, Dr. Katherine Wolff, ist es zu verdanken, dass dieser überaus wertvolle Nachlass in das Jüdische Museum Frankfurt kam.
Fast 1000 Briefe (beginnend 1844, endend 1921) zwischen den einzelnen Familienmitgliedern sind zum größten Teil in gutem Zustand erhalten. In ihnen liest sich die Geschichte nicht nur der Pinner-Familie, sondern auch der durch Heirat mit ihr verbundenen Linien. Es entwickelt sich ein spannendes Tableau jüdischen Lebens, das auch ein Licht wirft auf die extrem schwierigen Lebensbedingungen des entstehenden jüdischen Bürgertums im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. Darüber hinaus geben uns die Dokumente der akademisch arrivierten Männer auch Zeugnis vom Antisemitismus jeglicher Ausprägung in jenen Zeiten.
Es lassen sich mindestens zwei Zentren akademischen und ärztlichen Lebens studieren:
1. Der Vater von Hans Julius Wolff war Bruno Wolff (1870–1918), Arzt und Professor für Pathologie in Berlin. Er begleitete den Ersten Weltkrieg als Arzt und hinterließ zahlreiche Tagebücher über diese Zeit.
2. Der Großvater von Hans Julius Wolff und Vater von Bruno Wolff war der berühmte Arzt Julius Wolff (1836–1902), Professor in Berlin, Begründer der deutschen Orthopädie und Entdecker der Osteoporose als Krankheit. Er führte als einer der ersten Ärzte Operationen an der Gaumenspalte bei Kindern und am Klumpfuß in der Berliner Charité aus.
Erwähnenswert sind auch 137 Briefe von dem 1851 nach Amerika ausgewanderten Kaufmann Moritz Pinner (1828–1911) an seinen Bruder Adolf Pinner (1842–1909), Prof. für Chemie am Veterinär-Institut in Berlin, ältester und jüngster Sohn von Rabbi Lewin Aron Pinner. Sie werfen ein Licht nicht nur auf gelebtes jüdisches Leben, sondern auch auf politische und wirtschaftliche Ansichten der damaligen Zeit.
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