Ostend – Blick in ein jüdisches Viertel
2. Mai – 28. November 2010
Hochbunker Friedberger Anlage 5/6
Diese ursprünglich im Jüdischen Museum gezeigte Ausstellung ist in einer verkleinerten Version im Geschichtsbüro Friedberger Anlage im Hochbunker zu sehen. Der 1942 errichtete Bunker steht auf den Fundamenten der größten Frankfurter Synagoge, die am 10. November 1938 zerstört und später abgerissen wurde. Die "Initiative 9. November" bemüht sich seit langem, diesen Ort zu einem Ort der Erinnerung, des Lernens und der Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart zu machen.
Seit Mitte des 19. Jahrhunderts entstand zwischen Anlagenring und Tiergarten, Sandweg und Hanauer Landstraße ein neues Stadtviertel mit Wohnungen in Mietshäusern mit Höfen und Gärten. Unter den vielen Frankfurtern, die die Altstadt zugunsten dieses großzügigeren Wohnens verließen, befanden sich zahlreiche Juden. Um 1895 hatte das Ostend mit knapp 45 Prozent den höchsten Anteil an jüdischer Bevölkerung in der Stadt. Infolge des stetigen Zuzugs weiterer Familien auch von außerhalb kam es dazu, dass in bestimmten Straßen und Häusern überwiegend Juden lebten.
Rund um Sandweg und Ostend entstanden Geschäfte zur Versorgung des täglichen Bedarfs und Orte des kulturellen Lebens. Zahlreiche Einrichtungen der Jüdischen Gemeinde fanden im Ostend neue, größere Gebäude. Die Synagoge an der Friedberger Anlage, die Schulen und Ausbildungsstellen der Israelitischen Religionsgesellschaft wurden zu Zentren des orthodoxen jüdischen Lebens.
Am höher gelegenen, klimatisch hervorragenden Röderbergweg erbauten wohltätige Stiftungen reicher Frankfurter Familien um die Jahrhundertwende Kindergärten, Altenheime und Krankenhäuser. Auch der größte Teil dieser Institutionen orientierte sich bei der Pflege und Versorgung an den Geboten des orthodoxen Judentums.
Nach 1933 zerstörte der Nationalsozialismus die Strukturen jüdischen Lebens im Ostend so schnell und tiefgreifend wie in anderen Teilen der Stadt. Die Lebensbedingungen verschlechterten sich nach dem November 1938 zusätzlich durch den erzwungenen Zuzug von Juden aus den übrigen Stadtteilen und dem Umland. Viele überlebten nur noch mit Hilfe der Wohlfahrtseinrichtungen. Ab 1941 diente die Großmarkthalle als Sammelstelle und Ausgangspunkt für die Deportationen in die Konzentrations- und Vernichtungslager.
Die Jüdische Gemeinde, die sich nach Kriegsende konstituierte, erhielt im Ostend Liegenschaften im Baumweg, auf dem Röderbergweg und das Krankenhaus in der Gagernstraße zurück. Die Häuser dienten zunächst als Unterkünfte für die Durchreisenden, am Baumweg wurde ein Gemeindehaus mit Synagoge eingerichtet. Während der Schwerpunkt des Gemeindelebens sich seit den sechziger Jahren zunehmend in den Westen der Stadt verschob, leben heute – wie schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts – viele Neueinwanderer aus den ehemaligen GUS-Staaten im Ostend.
Die Ausstellung lädt zu einem Spaziergang durch einen weitgehend unbekannten, aber authentischen Teil der jüdischen Geschichte Frankfurts ein. Er führt durch die Straßen des Ostends, wo der Alltag der Menschen von Religion und Tradition bestimmt war und gleichzeitig den schnellen Veränderungen der Urbanisierung und Industrialisierung unterlag. Zahlreiche Fotografien und Dokumente, aber auch die Erinnerungen ehemaliger Bewohner des Ostends gewähren Einblick in ein jüdisches Viertel Frankfurts, dessen Lebenswelt heute nicht mehr existiert.
Jüdisches Museum der Stadt Frankfurt am Main
Telefon: +49 (0)69 21 23 88 04, 21 23 88 05
Fax: +49 (0)69 21 23 07 05
info(at)juedischesmuseum.de
und
Initiative 9. November
Telefon: +49 (0)177 7 12 04 12
www.synagoge-friedberger-anlage.de
Ort der Ausstellung Geschichtsbüro Friedberger Anlage / Hochbunker
Friedberger Anlage 5/6
S-Bahn-Station: Ostendstraße
U-Bahn-Station Zoo
Straßenbahn-Haltestelle: Allerheiligentor
Öffnungszeiten
Sonntags 11–14 Uhr
Führungen Sonntags 11.30 Uhr
sowie nach Vereinbarung mit dem Jüdischen Museum,
Telefon: +49 (0)69 21 23 88 04
Eintritt 2 Euro, ermäßigt 1 Euro
Führung zusätzlich 1,50 Euro pro Person
Begleitbuch zur Ausstellung mit zahlreichen Abbildungen zum Preis von 12,50 Euro im Jüdischen Museum, im Bunker und über den Buchhandel
Moritz Daniel Oppenheim: Idealbilder jüdischen Lebens
Bilder aus dem altjüdischen Familienleben
23. März – 3. Oktober 2010
Jüdisches Museum, Kabinettausstellung 2. OG
Moritz Daniel Oppenheim: Freitag-Abend, Lichtdruck 1869
Moritz Daniel Oppenheims „Bilder aus dem altjüdischen Familienleben“ waren ein Verkaufsschlager. Als der Zyklus 1866 im Frankfurter Kunstverlag Heinrich Keller erschien, war Moritz Daniel Oppenheim (1800–1882) bereits ein gefragter Porträtmaler des wohlhabenden und emanzipierten jüdischen Bürgertums. In einigen Ölgemälden hatte er auch jüdische Szenen dargestellt. Die Mappe mit Lichtdrucken aber machte ihn zum gefeierten „ersten jüdischen Maler“ und Begründer der jüdischen Genremalerei. Bis 1882 wurde die Kunstmappe immer wieder neu aufgelegt; sie umfasste anfangs sechs, zum Schluss zwanzig Blätter, von denen hier acht aus der Ausgabe von 1869 gezeigt werden. Für die Lichtdrucke hatte der Maler von seinen Ölgemälden eigens Grisaillen angefertigt, die mit ihren Grautönen damals die einzige Möglichkeit für eine gute photographische Wiedergabe boten.
Die Serie zeigt harmonische Szenen von der häuslichen Schabbat-Feier und aus dem jüdischen Festkalender. Oppenheim versetzt das Geschehen in eine städtische Judengasse, kurz vor deren Öffnung am Ende des 18. Jahrhunderts. Seine historisierenden Darstellungen geben keinen verklärten Blick in die ärmlichen Verhältnissen des Ghettos, sondern zeigen eine wohlhabende Familie des aufstrebenden Bürgertums, die mit großem Selbstbewusstsein eine religiöse Eigenständigkeit lebt.
Oppenheim schöpft bei seinen Darstellungen aus christlichen wie jüdischen Bildvorlagen, die er abändert und innovativ bereichert. Detailliert erläutert er mit zahlreichen Ritualobjekten die altehrwürdigen Bräuche im Kreis der Familie. Diese wird als Bewahrerin jüdischer Tradition dargestellt. Die Polarisierung zwischen traditionellem und modernem Judentum, die Oppenheims Zeitgenossen und seine eigene Gemeinde spalteten, vermeidet der Maler. So verkörpern die Bilder aus dem Altjüdischen Familienleben seine Vision eines modernen, selbstbewussten, gleichberechtigten und dennoch traditionsbewussten Judentums und ein Plädoyer für Toleranz.
„Für Marcel Reich-Ranicki”
Das Jüdische Museum Frankfurt gratuliert zum 90. Geburtstag
1. Juni – 5. September 2010
Museum Judengasse
„Demokratie wird durch Kritik geradezu definiert.“ Marcel Reich-Ranicki 1970
Schon 1960 zählte eine Umfrage der ZEIT Marcel Reich-Ranicki zu den führenden deutschen Literaturkritikern. Den Vorwurf der Popularisierung hat er nie gescheut. Die Klientel des Kritikers, so hat er oft betont, sei nicht das germanistische Seminar, sondern das lesende Publikum, das er über Zeitung, Rundfunk und Fernsehen erreicht. Erfolg und Popularität erlangten ihren Höhepunkt, als 1999 die Autobiographie „Mein Leben“ erschien. Bei aller Anerkennung kursiert jedoch weiterhin das Image vom Kritiker als „Verreißer“.
Die Ausstellung würdigt Leben und Werk einer der bekanntesten Persönlichkeiten im literarischen Leben und fragt nach dem Bild der Kritik in der Öffentlichkeit, in der sie zu selten als demokratische Tugend erscheint.
Begleitprogramm:
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Veranstaltungskalender
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* Jüdische Feiertage
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Jüdisches Museum
Untermainkai 14/15
60311 Frankfurt am Main
Telefon: +49 (0)69 212 35000
Fax: +49 (0)69 212 30705
info(at)juedischesmuseum.de
Museum Judengasse
Kurt-Schumacher-Str. 10
60311 Frankfurt am Main
Telefon: +49 (0)69 297 74 19
Fax: +49 (0)69 212 30 705
Prof. Dr. Raphael Gross
Direktor des Jüdischen Museums und
Geschäftsführer der Kommission zur
Erforschung der Geschichte
der Frankfurter Juden
Telefon: +49 (0)69 212 38805
Dr. Johannes Wachten
Stellvertretender Direktor, Leiter der
Abteilung Dokumentation, Judaistik
Telefon: +49 (0)69 212 38806
Fritz Backhaus
Stellvertretender Direktor, Museum
Judengasse / Börnegalerie,
Museumspädagogik / Führungen
Telefon: +49 (0)69 212 38804
Impressum
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Letzte Änderung: 01. April 2010
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