„Vom Ghetto zur Villa”
Die Frankfurter Familien Epstein und Baer
3. Dezember 2003 – 4. März 2004
Kabinettausstellung im 2. OG des Jüdischen Museums
Blick in die Ausstellung
Um 1840 ließ sich das Buchhändlerehepaar Joseph und Hanna Baer von dem arrivierten jüdischen Maler Moritz Daniel Oppenheim portraitieren. Entstanden sind eindrucksvolle Bildnisse eines jüdischen Bürgers wie einer jüdischen Bürgerin, die sich seit Beginn der politischen Emanzipation selbstbewusst als gleichberechtigte Mitglieder der neuen, urbanen Gesellschaft empfanden.
Die von Generation zu Generation in der Familie vererbten Portraits befanden sich in den letzten vier Jahrzehnten in Kaiserslautern. Jetzt kehren sie nach Frankfurt zurück, um im Jüdischen Museum als Dauerleihgabe ihren Platz zu finden.
Zusammen mit den Portraits aus der Familie Baer konnten aus den Vereinigte Staaten einzigartige Leihgaben von Nachkommen der Familie Epstein für das Museum eingeworben werden. Die Baers und die Epsteins waren vielfach durch Heirat miteinander verbunden. Es gab aber auch Verzweigungen in zahlreiche andere bekannte Frankfurter Familien. Zu den Nachfahren gehören der Dichter Jacob H. Schiff, der Jurist und Stadtverordnete Ludwig Heilbrunn, die Inhaber des Juweliergeschäfts Koch, Robert und Louis oder auch der Arzt Richard H. Koch. Durch die bisher noch nicht veröffentlichten Erinnerungen von Jacob H. Epstein ist die Geschichte der Familie zwischen dem ausgehenden 18. Jahrhundert und dem beginnenden 20. Jahrhundert außerordentlich gut belegt.
Das Jüdische Museum hat diese außergewöhnlichen Leihgaben um weitere aus dem Institut für Stadtgeschichte und der Stadt- und Universitätsbibliothek zu einer kleinen Ausstellung ergänzt
- Hanna Baer. Ölgemälde von Moritz Daniel Oppenheim, um 1840
- Joseph Baer. Ölgemälde von Moritz Daniel Oppenheim, um 1840
„Rufen wir uns die Bilder jener Ahnen vor die Seele – mein Großvater Epstein in seiner engen Chederschule, die Großmutter als Näherin in bitterer Armut ihr Leben fristend, Großvater Baer mit dem Büchersacke auf dem Rücken bei seinen Kunden die Runde machend – welch ein Abstand zur Gegenwart! Vom Ghetto zur Villa – von Fremdheit, Entrechtung und mangelhafter Bildung zum selbstbewußten deutschen Bürgertum, zum vollen Mitgenuß der kulturellen Errungenschaften, von kleinlicher Sorge und Plackerei zur gesicherten Lebenslage, teilweise zu glänzenden materiellen Verhältnissen und bedeutenden Ehrenstellungen. Und gar das junge und jüngste Geschlecht! So frisch und froh, so begabt und manierlich, so vielversprechend für die Zukunft.” (Jacob H. Epstein, Erinnerungen, niedergeschrieben 1908–1919)
Die Sammlung Reich-Ranicki
Schriftstellerporträts aus zwei Jahrhunderten
2. Oktober 2003 – 4. Januar 2004
Jüdisches Museum
Bertolt Brecht, Federlithographie von Gustav Seitz, 1967
Marcel Reich-Ranicki ist der bekannteste Literaturkritiker Deutschlands. Seine Artikel, Bücher und Fernsehauftritte zeigen, dass die Beschäftigung mit Literatur, das Lesen, zur Leidenschaft werden kann. Kein Wunder also, dass die „Sammlung Reich-Ranicki” keine gewöhnliche Sammlung von Bildern bekannter Maler ist. Für den Sammler Marcel Reich-Ranicki zählte in erster Linie das Motiv: Schriftsteller.
Der Anstoß zu sammeln war 1967 die Schenkung einer Lithographie von Gustav Seitz, die Bertolt Brecht zeigt. Marcel Reich-Ranicki sammelt seit diesem Zeitpunkt Porträts von Autoren, die ihm nahe stehen.
Über die Jahrzehnte entstand so eine Literaturgeschichte in graphischen Porträts, die sich von Goethe über Heine und Thomas Mann bis zu Günter Grass erstreckt. Über all diese Schriftsteller hat Marcel Reich-Ranicki auch geschrieben – nicht immer zustimmend, aber immer mit Liebe zur Literatur. Seine Sammlung von Schriftstellerporträts repräsentiert Reich-Ranickis persönlichen Zugang zu den Produzenten literarischer Texte, zu den Autoren.
Ein wichtiger Schwerpunkt der Sammlung liegt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, in der Höhepunkte der literarischen Moderne entstanden. Autoren wie Thomas Mann oder Bertolt Brecht stehen Marcel Reich-Ranicki besonders nahe. Er hat die gesellschaftliche und formale Offenheit der Literatur dieser Epoche oft thematisiert, was nicht zuletzt biographisch bestimmt ist.
Die Moderne erfuhr durch die Nazifizierung Deutschlands und Europas nach 1933 eine Zäsur. Viele Künstler und Literaten flohen ins Exil und kehrten nie mehr nach Deutschland zurück. Auch Künstler jüdischer Herkunft, die vor 1933 zu den bekanntesten Porträtisten Deutschlands zählten, sind in der Sammlung Reich-Ranicki zu entdecken: Hermann Struck, Eugen Spiro und Emil Orlik.
Die Rezeptionsgeschichte deutscher Kunst und Literatur ist seitdem durch den nationalsozialistischen Kulturbruch geprägt. Die Literatur der Nachkriegszeit spiegelt diese Auseinandersetzung. Autoren der Gruppe 47 wie Heinrich Böll oder Siegfried Lenz, Weggefährten Marcel Reich-Ranickis im literarischen Leben der Bundesrepublik, schrieben über die deutsche Vergangenheit. Auch ihre Porträts finden sich in der Sammlung Reich-Ranicki.
- Marcel und Teofila Reich-Ranicki vor ihrer Sammlung, Mai 2003
© Bettina Strauss
- Heinrich Heine, Radierung von Hermann Struck, 1915
- Thomas Mann, Druck nach kolorierter Radierung von Tullio Pericoli, 1989
- Siegfried Lenz, Kreidelithographie von Celestino Piatti, 1981
Obwohl Marcel Reich-Ranicki Bilder ausschließlich wegen ihrer literaturgeschichtlichen Bedeutung gesammelt hat, ist die Sammlung auch von hohem kunsthistorischen Wert. Die Porträts – Zeichnungen, Lithographien, Radierungen – sind vielfach von bekannten Malern und Graphikern angefertigt worden, wie Max Liebermann, Otto Dix oder Horst Janssen.
Die Bandbreite der Sammlung Reich-Ranicki reicht von der spontanen expressiven Studie bis hin zu detailliert ausgeführten Kunstwerken. Ein Gang durch die Ausstellung zeigt, dass der künstlerische Blick auf den Schriftsteller über die Jahrhunderte starken Veränderungen ausgesetzt war. Einen besonderen Abschnitt bilden die karikaturistischen Porträts von Tullio Pericoli und von Loredano, die sich mit Witz und Satire ihrem Motiv annähern.
Durch die Schenkung an das Jüdische Museum wird die Porträtsammlung aus den privaten Wohnräumen der Familie Reich-Ranicki in die museale Öffentlichkeit überführt. Der Besucher hat nun die Möglichkeit, eigene Wege in die Literatur zu finden.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.
Grisha Bruskin
Fragmente einer endlosen Sammlung
11. September – 23. November 2003
Museum Judengasse
Grisha Bruskin, 1945 in Moskau geboren, wuchs wie die meisten russischen Juden seiner Generation zunächst ohne jeden Bezug zum Judentum auf. Erst seit den 70er Jahren beschäftigt er sich intensiv mit den jüdischen Traditionen. Mythische Komponenten im Judentum und im Kommunismus sind bis heute seine zentralen Themen, die er parallel, in der Form von Werkzyklen behandelt. Spätestens seit der Moskauer Sotheby's-Auktion von 1988, bei der seine Werke spektakuläre Ergebnisse erzielten, zählt Bruskin zu den gefragtesten russischen Künstlern der Gegenwart.
Seine bislang bekanntesten Werke sind die Zyklen Alefbet und Fundamentales Lexikon, sowie das Triptychon Leben über Alles im Reichstag. Neben der Malerei nutzt er vor allem kunsthandwerkliche Techniken wie die Kleinskulptur als künstlerische Medien. In Anlehnung an das oftmals propagandistisch genutzte sowjetische Porzellankunsthandwerk entstehen etwa die Zyklen ASBUKA – Das ABC der Wahrheit (34 Porzellanteller, 1998) oder Life is Everywhere (25 Kleinskulpturen, 1998/99). Mit On the Edge, seinem aktuellen Zyklus von Bronzeplastiken, wendet er sich wieder größeren Skulpturen zu. Zum Teil unter Rückgriff auf frühe Bilder aus den 70er Jahren ironisiert er subtil die Bildwelt der während seiner Jugend allgegenwärtigen sowjetischen Denkmäler.
Bruskins vielfältige Werke verweisen – über die vordergründigen Hauptthemen Judentum und Sowjetunion hinaus – auf die Problematik der Entfremdung des Individuums von der modernen Gesellschaft und die Fragilität und Vergänglichkeit von kulturellen Kontexten.
Biografie
| 1945 |
Gregorij Davidowitsch Bruskin am 21. Oktober in Moskau geboren |
| 1957-1963 |
Studium an der Moskauer Kunstschule |
| 1963-1968 |
Studium an der Fakultät für Kunstgewerbe des Moskauer Textilinstituts |
| 1969 |
Mitglied der Künstlerunion der UdSSR |
| 1983 |
Der versuchte Ausschluss aus der Künstlerunion, der praktisch ein Berufsverbot bedeutet hätte, endet mit einer öffentlichen Rüge Bruskins. |
| 1988 |
Übersiedelung nach New York |
| 1997 |
Gemeinsam mit dem Jazzmusiker Wladimir Tarasow erarbeitet er die Performance Eine Insel: Ein Stück Land, das von Wasser umgeben ist. |
| 1999 |
Bruskin gestaltet auf Einladung der Bundesregierung als künstlerischer Repräsentant der sowjetischen Siegermacht das Triptychon Leben über Alles für den Reichstag in Berlin. |
Zur Ausstellung erscheint ein reich illustrierter Katalog.
„Zum Verstummen gebracht”
Die Frankfurter Opernsängerin Leonore Schwarz-Neumaier (1889–1942)
22. Mai – 10. August 2003
Museum Judengasse
Leonore Schwarz-Neumaier
Leonore Schwarz-Neumaier war von 1917 bis 1921 erste Altistin an der Frankfurter Oper. Nach ihrer Heirat mit dem Frankfurter Kaufmann Otto Neumaier und der Geburt ihres Sohnes Hans trat sie weiterhin regelmäßig in Konzerten auf. Ab November 1933 war dies nur noch im Rahmen des „Jüdischen Kulturbundes Rhein-Main” und der „Jüdischen Tonkünstler Frankfurts” möglich. Während ihr Mann und ihr Sohn in die USA auswandern konnten, musste Leonore Schwarz-Neumaier noch in Frankfurt bleiben und auf ein amerikanisches Einreisevisum warten. 1942 wurde sie nach Majdanek deportiert und ermordet.
Einige Schrankkoffer mit Fotos, Konzertprogrammen und persönlichen Gegenständen blieben erhalten und gelangten 1945 an ihren Mann Otto und ihren Sohn John (Hans) Neumaier, der als amerikanischer Soldat deutsche Kriegsgefangene in den USA unterrichtete. Daraus schuf die Enkelin Diane Leonore Neumaier, Fotografin und Kunstprofessorin, zusammen mit ihrem Vater eine bewegende Ausstellung, die das Schicksal einer Frankfurter Opernsängerin aus der ganz persönlichen Sicht des Sohnes und der Enkelin, die ihre Großmutter nicht kennen lernen durfte, nachzeichnet.
Zur Ausstellung ist ein Begleitheft erschienen.
- Als Ortrud in Richard Wagners »Lohengrin«
- Als Amneris in Giuseppe Verdis »Aida«
- In der Titelrolle in Georges Bizets »Carmen«
- Als Hänsel in Engelbert Humperdincks »Hänsel und Gretel«
- Als Fides in Giacomo Meyerbeers »Prophet«
- Als Brangäne in Richard Wagners »Tristan und Isolde«
Abe Frajndlich
Portraits
9. Mai – 31. August 2003
Jüdisches Museum
Yoko Ono • Leo Castelli • Red Grooms • Tom Wolfe • Peter Eisenman • Jack Lemmon • Isaac Bashevis Singer • Elie Wiesel • Frank Gehry • Andy Warhol • Keith Jarrett • Charles Bukowski • Christo • Billy Wilder • Shirley Maclaine • Daniel Libeskind • Stephen Hawking • Isabel Allende • Robert Arneson • Louise Bourgeois • Roy Lichtenstein • Armin Mueller-Stahl • Dennis Hopper • Marisa Berenson • Calvin Klein • Duane Michals • Emily Watson • A.R. Penck • Robert Altman • Joe Cocker • Chris Pekoc • Bill Viola • Mick Jagger • Ilse Bing • Anthony Quinn • Aaron Siskind • Alfred Eisenstadt • Robert Lebeck • Ivana Trump • Alan Dershowitz • Günther Grass • Annie Leibovitz • Robert Rauschenberg • Norman Parkinson • Miles Davis • Pierre Matisse • Barbara Klemm • Harry Callahan • Berenice Abbott • Imogen Cunningham • Minor White • Ralph Gibson • David Hockney • Midori • Yomo Toro • Arnold Newman • ...
Die Ausstellung zeigt 101 Porträts von berühmten Schauspielern, Regisseuren, Musikern, Künstlern, Architekten, Schriftstellern, Wissenschaftlern und Fotografen aus den letzten 33 Jahren.
Abe Frajndlich wurde 1946 im Lager für jüdische Flüchtlinge in Frankfurt-Zeilsheim geboren. Wie bei so vielen nach dem Holocaust Geborenen verlief seine Kindheit in unruhigen Bahnen. Seine Familie wanderte nach Brasilien und Israel aus. Nach dem frühen Tod seiner Eltern kam Abe im Alter von 10 Jahren in die USA. Er studierte englische Literatur an der Northwestern University in Evanston, Illinois und schloss sein Studium mit einem Diplom ab.
Mit dem Besuch eines Fotoseminars bei Minor White im Jahre 1970 änderte sich sein Leben grundlegend. White löste seine Leidenschaft für die Fotografie aus. Frajndlich zog nach Boston, um bei White zu studieren. Im Laufe der Zeit entwickelte sich zwischen beiden eine Freundschaft, die Ausdruck gefunden hat in Frajndlichs „Lives I've Never lived”, einem Band mit Porträtaufnahmen von Minor White. Angeregt durch diese Bilder sowie durch Aufnahmen von Fotografen, die mit White befreundet waren, entstand die Serie „Masters of Light”-Porträts, die ihm persönlich sehr wichtig waren. Aus diesem Projekt wurde im Laufe der Zeit eine Arbeit, die ihn ganz ausfüllte.
Frajndlich wurde zu einem der berühmtesten Porträtfotografen des „Creative life of the 20th century”. Prominente Künstler, Autoren, Musiker wie Denis Hopper, Isaac B. Singer, Daniel Libeskind, Charles Bukowski, Jack Lemmon und viele andere ließen sich von ihm fotografieren. In Deutschland bekannt wurde er vor allem durch seine Porträt-Reportagen im legendären Magazin der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung”.
Frajndlich ist es nicht nur gelungen, mit großem Einfühlungsvermögen Wesen und Persönlichkeit seines Gegenüber zu charakterisieren – genau das macht ja die Qualität eines guten Porträts aus – sondern auch Bilder von großer visueller Aussagekraft und Harmonie zu schaffen.
Auf die Frage, worauf es bei einem Porträt ankomme, erklärte Frajndlich: „Ein Porträt gelingt nur dann, wenn sich zwischen dem Fotografen und seinem Gegenüber instinktiv eine Beziehung aufbaut, wenn ein Gefühl der Offenheit und des Vertrauens entsteht. Der Zauber der Porträtfotografie entfaltet sich in einem ganz bestimmten Augenblick und es gilt, genau diesen Augenblick festzuhalten. Diese geheimnisvollen Zusammenhänge sind es, die mich an der Porträtfotografie immer wieder faszinieren.”
Heute sind seine Fotografien in vielen renommierten Sammlungen zu sehen, beispielsweise im George Eastman House, Rochester, N.Y., Massachussetts Institute of Technology, Cleveland Museum of Art, the Art Museum of Princeton University, Victoria and Albert-Museum, Centre Pompidou, Paris, Museum Ludwig, Köln etc.
Zur Ausstellung hat der Prestel-Verlag einen Katalog veröffentlicht.
Carlo Levi
Ausgewählte Werke des Malers, Schriftstellers und Widerstandskämpfers
Ausstellung zum 100. Geburtstag des Autors von Christus kam nur bis Eboli
30. Januar – 6. April 2003
Jüdisches Museum
Selbstportrait mit Bart, 1929
Carlo Levi (1902–1975) war einer der bedeutendsten Intellektuellen der italienischen Nachkriegsgeschichte. Sein 1945 entstandenes Buch Cristo si è fermato a Eboli (Christus kam nur bis Eboli), das 1979 von Francesco Rosi verfilmt wurde, erlangte Weltruhm. Dass er auch zu den wichtigsten Malern des italienischen Realismus zählt – er nahm allein fünfmal an der Biennale in Venedig teil – blieb hingegen im Ausland weitgehend unbeachtet.
Levi entstammt einer jüdischen Arztfamilie aus Turin, die mit dem Sozialismus sympathisierte. In Paris, wo er zeitweilig ein Atelier hatte und die Avantgardisten vom Montparnasse kennen lernte, schloss er sich der antifaschistischen Untergrundgruppe Giustizia e Libertà an. Sie wurde verraten, und Levi wurde 1935 in ein winziges Bergdorf des Mezzogiorno verbannt. Das Elend der archaischen Verhältnisse des Südens, die Armut der Bauern, die Malaria, die ihn zwang, heimlich – aber geduldet – seinen Arztberuf wieder auszuüben, hat er in seinem literarischen Hauptwerk eindrücklich geschildert. Aber auch in der Verbannung hat Carlo Levi gemalt.
Seine frühen Bilder aus den 20er Jahren stehen unter dem Einfluss der Neuen Sachlichkeit und von Modigliani. Die Bilder seiner Pariser Zeit werden mit Werken der Fauvisten oder von Soutine verglichen. Levis Farben blieben immer kraftvoll, sein großzügiger Duktus erinnert an den deutschen Expressionismus. 1934 wurde er von den Faschisten von der Biennale ausgeschlossen, wogegen viele Künstler protestierten, darunter Chagall, Leger, Derrain, und Signac. In der Auseinandersetzung zwischen Realisten und Abstrakten in der Nachkriegszeit, polemisierte Levi gegen ungegenständliche Kunst – vielleicht ein Grund, weshalb er in Westdeutschland bislang nicht ausgestellt wurde. Carlo Levi hat viele berühmte Personen porträtiert, darunter Italo Calvino, Frank Lloyd Wright, Ilja Ehrenburg und Pablo Neruda, der ihn eine „Eule” nannte, weil er bis in die Dämmerung weitermalte, wobei er die Porträtierten in Gespräche verstrickte und dadurch auf ihren Gesichtern unbekannte Züge zum Vorschein brachte.
Die Ausstellung im Jüdischen Museum Frankfurt präsentiert mit über 60 Gemälden erstmals einen umfassenden Überblick über das malerische Schaffen des engagierten Schriftstellers und Publizisten.
- Hinter Grassano, 1935
- Stillleben, 1940
Was wurde aus Richard Baum?
Auf den Spuren der jüdischen Schüler am Kaiser-Friedrichs-Gymnasium
(heute Heinrich-von-Gagern-Gymnasium)
22. Januar – 27. April 2003
Museum Judengasse
Postkarte des Kaiser-Friedrichs-Gymnasiums, 1905
Seit seiner Eröffnung im Jahr 1888 wurde das im Frankfurter Ostend liegende Kaiser-Friedrichs-Gymnasium auch von zahlreichen jüdischen Schülern besucht. Die Ausstellung zeichnet ihre Lebensläufe in Bild und Text nach und präsentiert Fotos, Tagebuchaufzeichnungen, Briefe und Gespräche mit Zeitzeugen und deren Nachkommen. Dank des Engagements einiger Schüler des heutigen Gagern-Gymnasiums und der Recherchen von Petra Bonavita konnten zahlreiche Informationen dem Vergessen entrissen und zusammengetragen werden, die in ihrer Vielfältigkeit ein anschauliches Bild der damaligen Lebensumstände vermitteln.
Die Schule zeigt sich hier als Spiegel ihrer Zeit. An den Schülergenerationen einer einzigen Schule wird das Schicksal der jüdischen Bevölkerung in Deutschland im späten 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eindringlich deutlich: von der versuchten Assimilation, dem aufkeimenden Antisemitismus seit dem späten Kaiserreich, der wachsenden Ausgrenzung und Entrechtung seit 1933 bis zur Verfolgung und Vernichtung der Juden im Nationalsozialismus. An den dokumentierten Einzelschicksalen wird hier Geschichte lebendig.
Wie notwendig die Aufarbeitung der Schulhistorie war, wird auch daran deutlich, dass noch in der 75-Jahres-Festschrift von 1963 die jüdischen Schüler des Kaiser-Friedrichs-Gymnasiums, die 1938 aus den Verzeichnissen aller ehemaligen Abiturienten gestrichen worden waren, fehlten.
Die Ausstellung setzt die vor zwei Jahren begonnene Reihe fort, in der die Recherchen Frankfurter Schulen zum Schicksal ihrer jüdischen Schüler und Lehrer der Öffentlichkeit präsentiert werden. Weitere Projekte werden folgen.
Zur Ausstellung ist im Schmetterlings-Verlag/Stuttgart ein von Petra Bonavita unter dem Titel „Assimilation – Verfolgung – Exil am Beispiel der jüdischen Schüler des Kaiser-Friedrichs-Gymnasiums (heute Heinrich-von-Gagern-Gymnasium) in Frankfurt am Main” herausgegebener Begleitband erschienen.
- Richard Baum (links) und Georg Guthmann (rechts) als Schüler
- Die erste Schulklasse 1921 im Landschulheim Wegscheide mit Richard Baum und Georg Guthmann
- Schulklasse von Georg Guthmann auf dem Weg ins Landschulheim Wegscheide, 1921
- Richard Baum (Mitte mit Cape) auf dem Weg ins Landschulheim Wegscheide, 1921
Europe Through Our Eyes
Frankfurt London Vienna
5. Oktober 2002 – 19. Mai 2003
Florida Holocaust Museum, 55 Fifth St. S, St. Petersburg
Blick in die Ausstellung in St. Petersburg
Am 5. Oktober 2002 wurde im Florida Holocaust Museum unter dem Titel „Jüdisches Leben in Frankfurt am Main – Einblicke vom Mittelalter bis in die Gegenwart” eine Ausstellung eröffnet. Acht Monate wird sie in St. Petersburg, Florida, zu sehen sein. Sie ist Teil einer Serie „Europe Through Our Eyes – London, Frankfurt, Vienna”, mit deren Hilfe amerikanischen Besuchern ihre europäischen Wurzeln wieder deutlicher gemacht werden sollen. Es gibt ein wachsendes Interesse in den USA, sich mit dem Leben der Juden in Europa zu beschäftigen.
Die Ausstellung des Jüdischen Museums Frankfurt am Main zeichnet mit zahlreichen Gemälden, Zeichnungen, Dokumenten und wertvollen Ritualobjekten, die durch Fotos und Texte ergänzt werden, das soziale und religiöse Leben der Juden in Frankfurt bis in die Gegenwart nach. Die Finanzierung der Ausstellung übernahm das Florida Holocaust Museum. Hierdurch wurde auch die Erstellung einer englischen Datenbank zur Geschichte der Frankfurter Juden ermöglicht.
Georg Heuberger, der Direktor des Jüdischen Museums, eröffnete die Ausstellung in St. Petersburg.
- Blick in die Ausstellung in St. Petersburg
- Blick in die Ausstellung in St. Petersburg
- Blick in die Ausstellung in St. Petersburg
Pressestimmen
Frankfurt Neue Presse, 28.09.2002, S. 15
Vom Main nach Florida
Frankfurt. In der amerikanischen Stadt St. Petersburg in Florida wird ab der nächsten Woche eine Ausstellung aus dem Frankfurter Jüdischen Museum gezeigt.
Unter dem Motto „Europa – mit unseren Augen” hat Helga Krohn-Weick vom Jüdischen Museum gemeinsam mit dem Künstler Günter Maniewski eine Schau über das soziale und kulturelle Leben der jüdischen Einwohner in Frankfurt vom Mittelalter bis heute zusammen gestellt. Gleichzeitig werden Ausstellungen der Jüdischen Museen London und Wien im dortigen Holocaust-Museum präsentiert. Krohn-Weick und Maniewski sind bereits in St. Petersburg, um die Ausstellung einzurichten.
„Wir zeigen auch, wie nach 1945 wieder eine jüdische Gemeinde in Frankfurt entstanden ist”, sagt Frau Krohn-Weick. Dabei werden auch aktuelle Schwierigkeiten, die sich durch die Zuwanderung von jüdischen Flüchtlingen aus dem früheren Ostblock ergeben, angesprochen. Weiterhin werden religiöse und soziale Gruppen aller Epochen vorgestellt oder die Geschichte der Familie Epstein erzählt. Diese seit Generationen in Frankfurt ansässige Familie steht als Beispiel für viele andere. Auf einer Porträtwand werden zwölf prominente Frankfurter Juden vorgestellt, darunter Ludwig Börne, Paul Ehrlich, Henry Budge, Theodor W. Adorno und Max Horkheimer. Den Rothschilds ist ein Sonderraum gewidmet. Die Einladung zu dieser Ausstellung sei, so Frau Krohn-Weick, Folge des zunehmenden Interesses der US-Bürger für Europa und die Herkunft der Vorfahren. Die Ausstellung läuft vom 5. Oktober bis zum Mai nächsten Jahres. (pkö)
St. Petersburg Times, 06.10.2002, S. 7F/8F
The way they were
An exhibit of Jewish culture in Europe before the Holocaust captures the vitality of a people balancing personal peril with social contribution.
By LENNIE BENNETT Times Art Critic
ST. PETERSBURG To understand what you've lost, you have to know what you once had. But in the case of the Holocaust, so much was destroyed, there may be little more than memories to pass on to new generations.
The Florida Holocaust Museum was designed to be a link between the generations that were directly connected to the Holocaust and those for whom it is only a horrific episode in human history. The permanent exhibition on the first floor is a somber remembrance of genocide.
But now new exhibitions from three European museums provide a rich counterbalance to the tragedy of the Holocaust, reminding viewers of the integral role Jews played in European culture and society in the centuries before World War II.
“Jews were part and parcel of the European scene,” said museum director Stephen Goldman. “Hitler would have had us believe they were strangers but they were part of the fabric of local life, especially in Germany. We don't say here we're Jewish-Americans, and they didn't say they were Jewish-Germans. They were Germans.”
“Europe Through Our Eyes: Frankfurt London Vienna” is three exhibitions unified by themes of aspiration, assimilation and rejection. Museum officials and Abbegail Slavin, a docent, negotiated for about five years with the Jewish Museums of those cities. The result is a group of displays showcasing the Jewish communities that thrived in those places before World War II.
The Frankfurt Jewish Museum's contribution is the most complex. Wall panels reproduce diagrams and engravings of the village that became an official city in 1250 and grew to a major business hub by the early 20th century. The development of the Jewish community zig-zags through it; sometimes tolerated, often not, its people were confined to a narrow, crowded area called Jews' Lane until the Rothchilds and other enterprising Jewish families began their financial ascent in the 19th century. A gallery is given over to tokens of affluence and social acceptance – oil portraits, World War I medals, silver decorative objects. Also prominent are the cultural and educational causes and institutions Frankfurt Jews supported.
The most poignant section of the exhibition comes from London, which mounted a display of photographs and documents telling the story of the Kindertransport titled “The Last Goodbye.” Beginning in the mid 1930s, hundreds of Jewish children in mainland Europe were sent to England by their frightened parents. By the end of World War II, more than 10,000 had been resettled and most never saw their parents again. Some of the children were exploited by unscrupulous foster parents who treated them like indentured servants. But most were shown kindness and generosity either in private homes or hostels set up to accommodate them.
The Jewish Museum of Vienna sent what will be a crowd-pleaser, a gallery of holograms. The slightly spooky atmosphere they generate is somehow appropriate and, finally, a little sad. We are not told who might have worn the beautiful silk wedding dress, for example, and it appears to us only as a ghostly image. Other holograms are more specific – one with film boxes of the movie Some Like It Hot reminds us that its director, Billy Wilder, was a European Jew who came to America because he had to.
“What a Loss” could be the subtitle to this show and is a back story running through it. That and the question underpinning the exhibit from the Frankfurt Museum: Why, after centuries of being marginalized and humiliated at the whim of a political movement or potentate, did a group of people so bright, sensitive and ambitious stay for so long?
The answer probably can be found in the face of Gutle Rothschild, who stares out from her portrait with wisdom and humor. The matriarch of the legendary family allowed her five sons to scatter to cities throughout Europe to start their financial empire. During her lifetime, all of them worked themselves out of the grinding poverty of Jews' Lane. Wealthy beyond her dreams, she chose to remain in her little house there until her death at age 96. Whatever else, it was home.
Ausstellung 49 bis 56 von 139
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Veranstaltungskalender
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28 |
29*
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30* |
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* Jüdische Feiertage
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Jüdisches Museum
Untermainkai 14/15
60311 Frankfurt am Main
Telefon: +49 (0)69 212 35000
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Prof. Dr. Raphael Gross
Direktor des Jüdischen Museums und
Geschäftsführer der Kommission zur
Erforschung der Geschichte
der Frankfurter Juden
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Dr. Johannes Wachten
Stellvertretender Direktor, Leiter der
Abteilung Dokumentation, Judaistik
Telefon: +49 (0)69 212 38806
Fritz Backhaus
Stellvertretender Direktor, Museum
Judengasse / Börnegalerie,
Museumspädagogik / Führungen
Telefon: +49 (0)69 212 38804
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Letzte Änderung: 22. November 2009
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