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Die Anfänge jüdischen Lebens in Deutschland gehen auf das 4. Jahrhundert unserer Zeitrechnung zurück. Im Laufe des Mittelalters und der frühen Neuzeit verschlechterte sich die rechtliche und soziale Lage der deutschen Juden erheblich. Ihre Vertreibung aus den meisten süddeutschen Reichsstädten Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts und die Einrichtung der Frankfurter Judengasse als abgeschlossener Wohnbezirk stellten dabei einen wichtigen Einschnitt dar, den die Raumarchitektur veranschaulicht: Vom Ende des Mittelalters bis zur Emanzipation im 19. Jahrhundert konnten Juden in Deutschland nur hinter tatsächlichen und rechtlichen Schranken leben.
Die erste Erwähnung von Juden in Frankfurt. Aus dem „Eben ha Eser” (Stein der Hilfe) Rabbi Eliesers ben Nathan aus Mainz, um 1150. Handschrift des 12. Jahrhunderts. Rabbi Elieser erörtert in seinem Werk einen innerjüdischen Streitfall über das religionsgesetzlich gebotene Spenden von Almosen.
Dieses Rechtsgutachten zeigt, dass in Frankfurt um 1150 zwar Juden dauerhaft ansässig waren, ihre Zahl aber noch so gering war, dass die Gemeinde noch keine festen Verwaltungsstrukturen benötigte.
Im Vergleich mit Eliesers Heimatstadt Mainz und anderen Städten am Rhein wie Köln, Worms und Speyer, wo schon im frühen Mittelalter Juden bezeugt sind, war die Frankfurter Gemeinde somit recht jung. Ihre Gründung stand wohl in engem Zusammenhang mit der Entstehung der Frankfurter Messe, die in Rabbi Eliesers Werk ebenfalls erstmals erwähnt wird.
In den ersten drei Jahrhunderten ihrer Ansässigkeit in Frankfurt lebten die Frankfurter Juden im wichtigsten Viertel der Stadt zwischen der Hauptkirche St. Bartholomäus, dem Main und der zur Mainbrücke führenden Fahrgasse. Dieses Quartier war nicht abgeschlossen, vielmehr standen die Häuser der christlichen und der jüdischen Bürger ungeschieden nebeneinander.
Zentrum des jüdischen Lebens war die Synagoge, von der ein Teil noch auf diesem späten Plan hinter dem Metzgerturm erkennbar ist.
Das Gebiet des ältesten Frankfurter Judenviertels. Aus dem Stadtplan Matthäus Merians von 1628
Die Juden als Schutzbefohlene des Königs. Aus der Heidelberger Bilderhandschrift des „Sachsenspiegels”, um 1330
Die – hier an ihrem spitzen Hut erkennbaren – Juden standen seit den Massakern an den rheinischen Juden während der Kreuzzüge ebenso wie Geistliche und Frauen unter dem besonderen Schutz des Königs.
Der deutliche Abstand zwischen dem Juden und den als geschlossene Gruppe auftretenden schutzbedürftigen Christen in der oberen Abbildung deutet bereits die Sonderstellung der Juden am Rande der christlichen Gesellschaft an, die sich im Lauf des Mittelalters immer deutlicher ausprägte.
Ein Christ, der einen Juden erschlug, wurde hingerichtet, weil er den Königsfrieden gebrochen hatte. Für den königlichen Schutz hatten die Juden hohe Abgaben zu zahlen. Wirksam war dieser Schutz aber nur in Zeiten eines starken Königtums.
Dies zeigte sich auch in Frankfurt, als 1241 fast die gesamte jüdische Gemeinde einem Pogrom zum Opfer fiel.
Obwohl die Frankfurter Bürger unter seiner direkten Herrschaft standen, wagte es der in heftige Auseinandersetzungen mit dem Papst verstrickte Kaiser Friedrich II. nicht, sie für dieses Verbrechen zur Rechenschaft zu ziehen.
Ermordung eines Juden und Hinrichtung des Mörders. Aus der Heidelberger Bilderhandschrift des „Sachsenspiegels”, um 1330
Eine Judenverbrennung während der Verfolgungen in Süddeutschland 1298. Holzschnitt aus Hartmann Schedels „Weltchronik” von 1493
Seit den Kreuzzügen nahmen die Judenverfolgungen in Deutschland an Zahl und Heftigkeit ständig zu. Ende des 13. Jahrhunderts kam es in Süddeutschland und in Österreich zu einer regelrechten Verfolgungswelle.
Von dieser blieben die Juden, die sich nach dem Massaker von 1241 erneut in Frankfurt niedergelassen hatten, allerdings ebenso verschont wie von einer zweiten Pogromserie dreißig Jahre später.
Bei der gesamteuropäischen Judenverfolgung während der großen Pestepidemie von 1349 wurden aber auch die Frankfurter Juden sämtlich erschlagen, oder sie verbrannten in ihren Häusern.
Als sich einige Jahre nach dem Pogrom von 1349 wieder Juden in Frankfurt ansiedelten, lebten sie unter gänzlich veränderten Bedingungen. Die Mitglieder der untergegangenen Gemeinde waren wie die christlichen Bürger, mit denen sie nahezu gleichberechtigt waren, direkte Untertanen des Königs.
Nun befreite sich die Stadt weitgehend von der königlichen Herrschaft. Regiert wurde sie von einem Rat, in dem die vornehmsten Familien der Stadt den Ton angaben. Dessen Gesetzgebung und der Druck der immer judenfeindlicheren Bevölkerung drängten die Frankfurter Juden zunehmend an den Rand der städtischen Gesellschaft.
Die Frankfurter Judengasse. Aus dem Stadtplan von Conrad Faber von Kreuznach, 1552
Die Entwicklung gipfelte darin, daß die Juden ihr angestammtes Wohnquartier verlassen mussten. Sie wurden in eine neuerrichtete abgeschlossene Gasse in der bei der Stadterweiterung von 1333 entstandenen östlichen Neustadt umgesiedelt.
Die Abbildung zeigt die alte Stadtmauer des späten 12. Jahrhunderts, an die die Judengasse angebaut wurde, den mit Bäumen bewachsenen alten Stadtgraben, den Palisadenzaun auf dem Wall und die zwei Hausreihen der Judengasse. Zugänglich war die Judengasse durch drei Tore im Norden, Westen und Süden.
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