Die Frankfurter Judengasse ist im heutigen Straßenbild kaum wiederzufinden. Vor allem durch die Anlage der Kurt-Schumacher-Straße und der Berliner Straße nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte sich der östliche Teil der Frankfurter Innenstadt grundlegend.
Heute weisen nur ein kleiner Rest der staufischen Stadtmauer, die seit dem 15. Jahrhundert gleichzeitig die westliche Begrenzungsmauer des Ghettos darstellte, eine Gedenktafel für die 1938 zerstörte Hauptsynagoge und die archäologischen Reste im Museum auf die alte Judengasse hin.
Der Merianplan von 1628 zeigt den Zustand der Judengasse nach der Bevölkerungsexplosion des 16. Jahrhunderts. Die dichte Bebauung der Judengasse ist deutlich zu erkennen.
Sie wurde 1460–1462 eingerichtet und war bis zu Beginn des 16. Jahrhunderts von ca. 200 Personen, verteilt auf knapp 20 Wohnhäuser, bewohnt. Bis 1600 stieg die Einwohnerzahl des Ghettos auf über 2 700 Personen in 195 Wohnhäusern.
Da das Gelände der Gasse nicht erweitert wurde, entstand die drangvolle und düstere Enge, die in der Reiseliteratur des 18. Jahrhunderts immer wieder beschrieben wurde.
Nach Norden, Westen und Süden sind auf dem Merian-Plan die Tore erkennbar, die über Nacht und an den christlichen Feiertagen geschlossen wurden.
Das Foto, um 1860 entstanden, gehört zu den ersten fotografischen Zeugnissen der Judengasse. Ungewöhnlich ist, dass in der doch dicht bevölkerten Gasse kaum Personen zu sehen sind.
Sie war insgesamt knapp 300 m lang und drei bis sechs Meter breit. Auf beiden Seiten wurde sie durch eine geschlossene Reihe von zweistöckigen Fachwerkhäusern gesäumt, deren Dächer meist noch in zwei oder drei Stockwerken ausgebaut waren.
Bei einem Teil der Häuser waren in dem Raum zwischen Vorderhäusern und Ghettomauern noch große Hinterhäuser errichtet worden.