Juden. Geld. Eine Vorstellung
25. April – 6. Oktober 2013
Jüdisches Museum
Lessing, „Nathan der Weise“. Staatsanleihen: Der Sultan leiht sich von Nathan Geld. Aufführung im Wolfgang Borchert Theater, Münster
Die Figur des Shylock aus Shakespeares „Kaufmann von Venedig“ und die des Nathan aus Lessings „Nathan der Weise“ scheinen einander diametral entgegengesetzt: Shylock repräsentiert den bösen, Nathan den guten Juden. Aber beiden ist auch etwas gemeinsam: Sie sind reich.
Die Ausstellung widmet sich der oft als selbstverständlich angenommenen Verbindung von Reichtum und Judentum und untersucht ihre historischen Hintergründe und fiktionalen Auswüchse. So werden mittelalterliche Geldverleiher, Hoffaktoren, frühe Bankiers und Theoretiker des Kapitalismus vorgestellt, die wiederum die theatralische Bilderwelt inspiriert haben. Das Bild der „reichen Juden“beeinflusst unser Verständnis von Judentum und Ökonomie noch heute.
Zur Ausstellung wird es ein Begleitbuch und ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm geben.
Gefördert durch die Deutsche Bank
Der Hauch des Lebens
Illuminierte Gebete, Misrachim und seltene Dokumente aus zwei Jahrhunderten
29. Januar – 02. Juni 2013
Kabinettausstellung im 2. OG des Jüdischen Museums
Illuminierte Gebete, Misrachim und handschriftliche Dokumente aus der Sammlung des Museums konnten 2012 dank der Unterstützung des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst restauriert werden und werden nun erstmals dem Publikum zugänglich gemacht.
Neben einer seltenen handschriftlichen Urkunde zur Aufnahme in eine Beerdigungsbruderschaft (Chewra Kadischa) von 1905 aus Ungarn oder reich dekorierten Jahrzeitkarten sind es vor allem Misrachim und wichtige Gebete, die auf Papier oder Pergament mit Illustrationen geschmückt wurden.
Ein typisches Ornament in jüdischen Häusern war der Misrach, hebräisch für das Wort Osten und gleichzeitig ein Akronym von: „Von dieser Seite kommt der Hauch des Lebens“. Der Misrach ist meist eine Zeichnung auf Papier oder Pergament oder ein Scherenschnitt, den man an eine nach Osten gerichtete Wand in der Wohnung hing. Von Europa aus gesehen befindet sich in östlicher Himmelsrichtung Jerusalem und somit der Ort des zerstörten Zweiten Tempels. Im Gedenken an diesen richtet man sich beim Sprechen der täglichen häuslichen Gebete nach Osten. Der Misrach hilft einem somit, sich für das Gebet zu orientieren. Meist wurde der Misrach von einem professionellen Schreiber erstellt, aber auch von Amateuren und kann deshalb ganz unterschiedlich gestaltet sein. Meist enthält die Zeichnung den Gottesnamen, Abbildungen des Tempels in Jerusalem bzw. des Tempelberges oder aber den siebenarmigen Tempelleuchter, die Menora.
Die zentralen und wichtigen Gebete wurden ebenfalls mittels Illustrationen als Wandschmuck oder in handlichen Scherenschnitten hergestellt. So zum Beispiel der Psalm 67, ein Hymnus auf den Segen Gottes nicht nur über sein Volk, sondern über alle Völker (siehe Abbildung). Ein Gebet, das unter anderem zur Erntedankzeit gesprochen wird und in Form einer siebenarmigen Leuchters, der Menora, geschrieben ist. Auch das Gebet „Höre Israel“, zentraler Bestandteil der täglichen Gebete, wurde illustriert. Als Ausdruck der monotheistischen Essenz des Judentums spiegelt es den zentralen Kontext der Tora wider und wurde meist mit den ersten Worten „Höre Israel, Gott ist der Einzige“ zusammen mit der Darstellung des Propheten Moses mit den Gesetzestafeln dargestellt.
Kuratorin: Dr. Eva Atlan
Übersetzungen aus dem Hebräischen: Dr. Josef Bamberger
Die Restaurierungen wurden unterstützt durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst
- Menora Gebet (Psalm 67); Polen oder Deutschland, 18. Jh.
Scherenschnitt, handkoloriert, mit Tinte beschrieben; Hadernpapier, 10,6 x 7,4 cm; JMF88-055; Foto: Seitz-Gray
- Misrach (Verse aus Psalmen und den Fünf Büchern Moses); Deutschland (?), Anfang 20. Jh.
Handschrift mit Tusche auf Pergament, 20,5 x 24,5 cm; JMF92-003; Foto: Seitz-Gray
Treten Sie ein! Treten Sie aus!
Warum Menschen ihre Religion wechseln
14. Mai – 1. September 2013
Museum Judengasse
Eine Ausstellung der Jüdischen Museen Hohenems, Frankfurt am Main und München, kuratiert von Hannes Sulzenbacher und Regina Laudage-Kleeberg
Religionsfreiheit ist ein Menschenrecht. Dazu gehört nicht nur das Recht religiöser Gemeinschaften auf ungehinderte Religionsausübung, sondern auch das Recht, die Religion zu wechseln. Doch Konversion, also der Übertritt von einem Glauben zum anderen, ist mit Konflikten beladen. Wer konvertiert, stellt das Glaubensgebäude, das er oder sie verlässt, in Frage. Und bestätigt den Anspruch auf Wahrheit, den jene Religion erhebt, zu der man sich wendet.
Lange Zeit waren Konversionen gekennzeichnet von Zwang, sozialem Druck und forcierter Assimilation. Das galt nicht zuletzt für Übertritte vom Judentum zum Christentum. Gesellschaftliche Diskussionen über das Thema verlaufen auch heute keineswegs konfliktfrei, ja sie berühren neue Tabus und offene Fragen.
Die Jüdischen Museen in Hohenems, Frankfurt am Main und München bieten diesen Kontroversen mit einer gemeinsamen Ausstellung eine Bühne. Die Vielfalt der individuellen Motive, der unterschiedliche Umgang von Glaubensgemeinschaften mit Konvertiten, ihre Rituale, und schließlich auch die persönlichen Erfolge und Misserfolge, werden in dieser Ausstellung in ihrer Widersprüchlichkeit entfaltet.
Konversionen dienen den unterschiedlichsten Interessen: Für die Religionen und ihre Gemeinschaften bedeuten sie einen Zuwachs an Gläubigen, an politischer Macht und an materiellen Ressourcen. Für die Konvertiten selbst geht es um ihre Identität und spirituelle Sinnerfüllung, zuweilen auch um finanzielle oder materielle Vorteile. Es geht um Vermeidung oder Lösung von persönlichen Konflikten, um Akzeptanz in einer Gemeinschaft, um die Möglichkeit von Heirat und sozialem Aufstieg. Eine neue Dramatik gewinnt das Thema vor dem Hintergrund globaler Migration und der begonnenen Neuerfindung Europas. Minderheiten sind nicht überall Minderheiten – und Mehrheiten nicht überall Mehrheiten.
Konversion heißt auch, die eigene Biografie in ein „Vorher“ und ein „Nachher“ zu teilen, und in eine „Passage“, die diesem Übergang zumeist in einem Ritual seine Form gibt. Die Ausstellung folgt dabei Konvertiten auf ihrem Weg von einer Religion zur anderen und beobachtet, ob sich ihre Wünsche und Hoffnungen erfüllten, ob ihre Probleme sich auf diesem Wege lösen ließen oder bestehen blieben. Die Ausstellung erzählt von Konvertiten und ihren Lebensdramen, quer durch Zeiten und Räume Europas, von bekannten Persönlichkeiten wie Heinrich Heine, Edith Stein oder Gustav Mahler, Nahida Lazarus oder Leopold Weiss, der zu Muhammad Asad wurde, vor allem aber von Unbekannten, deren Geschichten den Blick auf den Alltag richten.
Heinrich Heine Hebräische Melodien
Eine bildhafte Interpretation von Rahel Szalit-Marcus
14. Mai bis 1. September 2013
Kabinettausstellung im Museum Judengasse
Rahel Szalit-Marcus (1896-1942), Lithographie zu Heinrich Heines "Hebräische Melodien", 1923, Jüdisches Museum Frankfurt, Foto: Ursula Seitz-Gray
Die Hebräischen Melodien sind Teil der Gedichtsammlung Romanzero, die Heine auf seinem Sterbebett zwischen 1848 und 1851 schrieb. Die Hebräischen Melodien belegen Heines neugewonnenes Gefühl für das jüdische Erbe, das sich auf Kindheitserinnerungen und auf historisch-didaktische Elemente stützt. Im Mittelpunkt steht das Gedicht Prinzessin Sabbat, das gleichnishaft die Schönheit des Ruhetags schildert. Jehuda ben Halevi thematisiert die Liebe zu Jerusalem. Das dritte und letzte Gedicht Disputation handelt von einem Streitgespräch zwischen einem Rabbiner und einem Franziskaner.
Rahel Szalit-Marcus (1896 Kowno, Litauen – 1942 Auschwitz) stellte in der Berliner Sezession aus und war Mitglied der November-Gruppe. Ihr Werk ist weitestgehend in Vergessenheit geraten, da ihr Atelier im Pariser Exil von den Nationalsozialisten zerstört wurde, sie selbst wurde 1942 nach Auschwitz deportiert und ermordet. Szalit-Marcus hat das Bildhafte in Heines Dichtung auf ihre eigene Art gedeutet. So wie sie sich schon von Erzählungen Scholem Alejchems und Perez inspirieren ließ, ist auch die Darstellung der Hebräischen Melodien an die Lebenswelt des Ostjudentums angelehnt.
Die zwölf 1923 entstandenen Lithographien wurden in einer Auflage von 120 Exemplaren für die Literarische Vereinigung HESPERUS herausgegeben.
Kuratorin: Dr. Eva Atlan
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Letzte Änderung: 30. April 2012
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